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Aus dem Leben eines Amateurfilmers

In dieser Rubrik teilt unser Regisseur Armin Schnürle seine Gedanken während der Entstehung eines Mania Pictures-Films mit dem Publikum und bietet einen etwas genaueren Einblick in seine Welt der (Amateur)Filmerei. Viel Spass beim Lesen...

Präambel

Zugegebenermaßen, der Zeitpunkt ist etwas willkürlich gewählt, aber seitdem bekannt ist, dass wir tatsächlich am 18. März mit den ersten Szenen zu "5 vor 12" starten werden, ist spätestens jetzt der Moment gekommen, an dem ich wieder diese große Aufregung verspüre, die stets am Anfang der Dreharbeiten aufkommt. Und da wir dieses Mal den ganzen Entstehungsprozess mit einem Tagebuch begleiten wollen, gehts jetzt eben los.
Das vermittelt vielleicht den Eindruck, als ob wir bisher auf der faulen Haut gelegen hätten. Mitnichten! Ein kleiner Abriss dessen, was in den vergangenen sechs Monaten gelaufen ist: monatelanges Grübeln über die Story (jeden Donnerstag Abend für jeweils mindestens 4 Stunden), Schauspielerauswahl, Probeaufnahmen, Besichtigung der Locations, Requisitensuche übers Internet (Waffen aus Österreich, ein alter Daimler aus Niefern, Kostüme vom Otto-Versand, ein Taxameter bei ebay usw.), Einholen von Drehgenehmigungen, Überarbeiten des Drehbuchs, Budgetplanung, "Auflösen" der Szenen in einzelne Kameraeinstellungen, Erstellen eines Make-Up-Plans, der erste Versuch eines Terminplans für die Dreharbeiten, Erstellen von Listen und Plänen, viele Treffen, noch mehr Telefonate und noch viel mehr E-mails.

pfeil

Teil 1: Mittwoch, 09.02.2005/00:39

Wie fast jeden Abend sitze ich in meinem Büro, schaue mir auf der Leinwand einen Film an (heute: DER PAKT DER WÖLFE) und versuche "nebenbei" zu arbeiten. Aber es kommt wie fast immer: die visuelle Brillanz des Films nimmt mich ziemlich gefangen und ich beschließe spontan, ein Thesenpapier zum visuellen Aspekt des Films zu erstellen. Nach der TATORT-Reihe ist es mir sehr wichtig, dass wir uns weiterentwickeln, inhaltlich, aber vor allem auch formal. Mich hat bei den vergangenen Filmen oft die etwas einfallslose Kameraarbeit gestört. Das muss besser werden. Ich schreibe mir daher verschiedene visuelle Ideen auf, die ich umsetzen will.
Weiterhin schreibe ich eine detaillierte To-Do-Liste für den Märzdreh, der im Sparkassenturm zu Pforzheim steigen wird. Wir müssen bis dahin noch Requisiten besorgen und Jens muss auch welche bauen, das Screendesign für die in den Szenen sichtbaren Computerbildschirmen kreieren Alex und Flo, Wolfgang habe ich per Mail gerade den Auftrag erteilt, uns 3 komplette Feuerwehruniformen inkl. Atemschutz zu besorgen.
Am kommenden Freitag werde ich mich mit dem Hausmeister in der Sparkasse treffen, um den Drehablauf detailliert zu besprechen. Immerhin wollen wir dort mit Waffen hantieren, einen Feueralarm simulieren und 14 Stockwerke an der Fassade hochklettern, aber dazu mehr im Sommer.
Gefreut hab ich mich, dass nach 4 Wochen heute endlich das Paket vom Otto-Versand angekommen ist: Kostümauswahl für Cathrin. Mit Herrn Kossbiel, unserem bewährten Seniordarsteller, der den Gangsterboss Schwarz spielen wird, war ich gestern beim Foto-Wirth zur Erstellung eines Portraits. Das dient jedoch nur als Vorlage für ein Ölgemälde, das als Requisite in Schwarzens Büro hängen soll. Erfolgserlebnis: Herr Mann von der gleichnamigen Spedition in Althengstett, hat mir heute zugesagt, dass wir einen Sprinter für den Märzdreh umsonst zur Verfügung gestellt bekommen. Zum ersten mal telefoniert hab ich heut mit Angela, die eine unserer beiden Killerladies spielt. Terminabstimmung für den ersten Drehtermin klappt.
Inzwischen bin ich beim "Making of" von PAKT DER WÖLFE angelangt: das macht richtig Mut: wenn man den Aufnahmen glauben darf, ging dort so ziemlich alles schief, was nur schief gehen kann. Dies ist in zweierlei Hinsicht beruhigend: zum Einen wäre mal wieder bewiesen, dass Profis auch nur mit Wasser kochen und außerdem ist ja doch ein klasse Film daraus geworden.
Mit diesen versöhnlichen Worten verabschiede ich mich zum ersten Mal von meinem lieben Tagebuch. Bis bald.

pfeil

Teil 2: Freitag, 11.03.2005

17 Uhr: Ankunft in Böblingen-Hulb. Gemäß dem ehernen Grundsatz, die Dreharbeiten mit einer einfachen Szene zu beginnen, starten wir bei "5 vor 12" mit einer Sequenz, die laut Drehbuch in einem TV-Studio angesiedelt ist. Da uns der lokale Bezug bekanntermaßen wichtig ist und wir gute Connections zu RTV-Radio haben, lag es nahe, hier zu drehen. Nachdem ursprünglich mal die Lauflegende Dieter Baumann als TV-Moderator vorgesehen war, der aber wieder abgesprungen ist, springt freundlicherweise Achim Rittmeyer, seines Zeichens TV-Moderator bei RTV, ein. Eine gute Wahl, wie sich erweisen wird. Ursprünglich sollte das kleine Studio, in dem Wolfgang und ich anlässlich der RTV-Ausstrahlung von "Tatort 4" mal für eine Talkshow interviewt wurden, als Setting dienen. Leider existiert das in der Form nicht mehr. Wir nutzen daher die Kulisse einer kirchlichen TV-Talkrunde, um unsere Szene zu inszenieren. Von den Hauptdarstellern ist heute noch niemand am Start, auftreten werden unser bewährter Seniordarsteller Herr Kossbiel, der als Gangsterboss Schwarz vor laufenden Kameras ein Kopfgeld auf die Mörder seines Sohnes aussetzen wird und seine Assistentin Nadja Döring alias Lucia Schlör, unser einziger "ständiger" Schauspielprofi. Zur Vorbereitung schaue ich mir kurz vor der Abfahrt noch die "Referenzszene" aus "Kopfgeld" an. Na ja, die ist ein paar Nummern größer. Wir haben die Szene heute nur deshalb vorgezogen, weil Teile der TV-Aufzeichnung beim nächsten Dreh am kommenden Wochenende benötigt werden. Später wird sich herausstellen, dass wir diese Szene aus Zeitgründen gar nicht drehen können, aber das weiß heute ja noch niemand.
Eine ganz besondere Premiere ist, dass ich heute seit 9 Jahren das erste mal nicht die Kamera bedienen werde. Mit etwas Bauchweh im Vorfeld haben wir den Altensteiger Matthias Krumrey, der beim Spielfilmdebut unseres Organisators Wolfgang Hellmich fotografierte, gewinnen können. Eine gute Wahl, wie sich herausstellen wird - nach 10 Minuten habe ich vergessen, dass ich jemals selbst am "Drücker" war. Allerdings ist es sehr langwierig, mir per Monitor das Kamerabild zur Verfügung zu stellen. Die Szene selbst ist - wie erwähnt - nicht sonderlich kompliziert, aber aller Anfang ist schwer. Wieder "reinzukommen", und das nach anderthalb Jahren Filmabstinenz, ist nicht so einfach, zumal wir uns ja vorgenommen haben, dieses Mal alles besser zu machen. Machen wirs kurz, heute ist das nicht gelungen. Wir überziehen das Zeitbudget um schlappe 2,5 Stunden und auch das Ergebnis ist (wie immer) nur halb so gut, wie ich mir das vorgestellt habe. Vor allem, nachdem wir am kommenden Wochenende eine der, wenn nicht die aufwändigste Szene drehen wollen, ist mir einigermaßen bang zumute. Aber es gibt auch angenehmes zu berichten: einige Bilder sind schön gelungen, der Ton ist einwandfrei und der Ausraster unseres TV-Moderators ist sehr schön geworden. Ausserdem finden wir in unserem Statisten Eddi den Darsteller für einen kleinen, aber wichtigen Part im Film.
Absacker im Sammel, danach Materialsichtung: 40 Minuten Material, Szenendauer im Film ca. 3 Minuten.

pfeil

Teil 3: Freitag, 18.03.2005 - Sonntag, 20.03.2005

Freitag, 18.03.2005

15 Uhr: Treffpunkt "Halle"
Das Mania-Pictures-Headquarter auf dem Gelände der ehemaligen Deckenfabrik. Dort haben wir uns seit einigen Jahren eingemietet und eine im Laufe der Zeit ansehnliche Sammlung von Requisiten und Equipment angehäuft.
Steffen und Flo haben um 12 Uhr den Sprinter, den uns die Fa. Mann freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat und das Licht/Dolly-Equipment bei der Fa. Gierich in Hildrizhausen abgeholt. Nun wird das Fahrzeug nach allen Regeln der Kunst beladen (ich halte mich raus), während letzte Hand an ein schönes Requisit gelegt wird: das 2 m lange Fimenschild unserer fiktiven "Schwarz-Unternehmensgruppe". Jens hat dafür ein Logo entworfen, Flo hat das Ding während seiner Praktikantenzeit bei der Werbeagentur SDV ausgedruckt und mein Dad hat aus einer Sperrholzplatte in "schöner Laubsägearbeit" die benötigte Form ausgeschnitten. Jetzt muss der Ausdruck noch mit Sprühkleber auf die Holzplatte aufgebracht werden und Halterungen für die Wandbefestigung angeschraubt werden. Symptomatisch: trotz wochenlanger Planung werden manche Dinge unnötigerweise bis zum letzten Tag hinausgezögert.
Wenns um handwerkliche Tätigkeiten – wie eben beschrieben – geht, werde ich von meinen sogenannten Freunden gerne mal vor die Tür geschickt. Ob die mir das wohl nicht zutrauen? Dieses Mal darf ich ins Kaufland fahren und Getränke fürs Wochenende einkaufen: meine letzte Pleite im Hinterkopf (an Silvester habe ich so spärlich eingekauft, dass es grade mal für einen Cocktail pro Gast reichte), kaufe ich 80l Cola, Spezi, A-Saft und Wasser ein, das dürfte ja wohl reichen.

17 Uhr: Abfahrt
Wolfgang und Helmut, unsere beiden potenziellen Making-of-Filmer, melden sich wegen Krankheit ab. Markus "Düse" Kiefer schafft es mal wieder spielend, mich aufs herzlichste zu verarschen, indem er telefonisch nachfragt, was er denn beim Dreh am nächsten Wochenende (zur Erinnerung: sein Auftritt wäre morgen) anziehen soll.
Noch schnell zur Tanke und Notfallration besorgen: 4 Dosen Flying Horse und 2 Kippenschachteln, das sollte fürs Wochenende reichen. Die Karawane mit Transporter und 3 PKWs setzt sich gen Baden in Bewegung. In Bad Liebenzell holen wir noch kurz schwarze Krawatten beim Bestattungsinstitut Kopp als Kostümierung unserer Security-Crew ab.

17.50 Uhr
vor der Zeit - eine Formulierung, die wir in den kommenden 3 Tagen nie mehr hören werden - kommen wir am Sparkassenhochhaus in Pforzheim an. Hausmeister Rolf Hörter, der uns für die kommenden Stunden als "Aufpasser" zur Seite gestellt wurde, codiert uns Zugangskarten, damit wir uns im Haus bewegen können. Wir besichtigen kurz das erste Set, ein Treppenhaus und laden dann das ganze Equipment aus. Im 3. Stock gibt es eine Art Cafeteria, dort schlagen wir unser "Basiscamp" auf. Folgende Bereiche werden eingerichtet: Requisite, Make-Up, Kostüme, Catering und Regie. Während Matthias (Kamera), Flo (Licht), Cathrin als Darstellerin und meine Wenigkeit sich ans Set begeben, richten die anderen das nächste Set im 12. OG bereits mit Requisiten, Kamerakran usw. ein. Verenas 30 belegte Brötchen finden von Anfang an guten Zuspruch und anfängliche Bedenken wegen einer Überversorgung sind glücklicherweise überflüssig.
Drehbeginn: Cathrin huscht im schnuckligen schwarzen Einbrecheroutfit die Treppe hinunter. Da sie ihre Spange erst kurz vor dem Hauptdreh entfernt bekommt, müssen wir jetzt versuchen, bei Dialogen "drumherumzufilmen". Noch kurz eine Tonaufnahme und fertig ist der erste Teil. Umzug ins 12.OG. Dort hängt inzwischen unser tolles Requisitenschild an der Wand. Eigentlich hätte sich das Logo auf dem Schild ja noch reliefartig abheben sollen, das wurde aus Zeitgründen aber gestrichen. Keine Zeit zum Jammern, "so ist es halt jetzt", sieht trotzdem geil aus.
Unser Security-Wachpersonal ist inzwischen eingetroffen und nachdem die Beleuchtung steht geht's los. Inzwischen wird der Zeitplan schon stark strapaziert: die Fahrstuhltüren wollen nicht so wie wir, unsere erste Dollyfahrt wiederholen wir endlos. Gegen 22 Uhr sollten wir lt. Plan ins 15. OG umziehen - Büro des Vorstands, inzwischen ist es aber schon Mitternacht. Und es wird nicht besser; die Ausleuchtung des Büros erweist sich als außerordentlich schwierig, wir verzetteln uns immer mehr. Steffen muss ständig zwischen seinen Funktionen als Darsteller und Tonanglers wechseln. Im Büro haben wir eine weitere, recht aufwändige Requisite an den Start gebracht, einen Tresor, den ich einige Tage zuvor bei ebay ersteigert habe und der dazugehörige Nachbau eines Teils der Zimmerwand drumherum. In die Rückseite des Tresors haben wir uns von der Fa. Zotzel in Stammheim ein Loch schweissen lassen, um ins Innere filmen zu können. Die Darsteller sind aufgrund der stundenlangen Warterei ziemlich zermürbt und nachdem wir endlich angefangen haben, in eine Zimmerrichtung zu filmen, heisst es dann wieder Umbau. Auch wenn es manch einer nicht glauben mag, ich hab ein ziemlich schlechtes Gewissen, nicht nur wegen der Darsteller/Crew, sondern auch wegen des Hausmeisters, immerhin haben wir den vereinbarten Zeitplan um 2 Stunden überzogen. Um 3 Uhr ziehen wir um zum letzten Set, der Dachterrasse. Schienen und Beleuchtung wurden schon im Vorfeld aufgebaut, der kleine Dialog zwischen dem Securitypärchen Binder/Bozic klappt gut. Insofern kommt gegen Ende tatsächlich noch eine Spur guter Laune auf, die aber den Gesamteindruck des Abends nicht retten kann.

4 Uhr:
Wir beschliessen unser Tageswerk, zutiefst unbefriedigt ob des erledigten Arbeitspensums. Heute ist wieder einer jener Tage, an dem ich felsenfest (ohne wegradiert) davon überzeugt bin, das dies mein letzter Film sein wird. Der Aufwand ist einfach viel zu groß. Zwei Monate haben wir dieses Wochenende bis ins Detail geplant, aber der Zeitplan hat sowas von überhaupt nicht hingehauen.

5 Uhr:
ich schliesse die Haustür auf, die Vögel zwitschern. Und ich liege noch mindestens eine halbe Stunde wach.

Samstag, 19.03.2005

9.30 Uhr: Abfahrt Calw. Ich sülze zuviel, deshalb ab sofort: Telegrammstil.
Erstes Set heute: Technikraum. Beleuchtung durch Neonröhren reicht aus, keine zusätzliche Beleuchtung notwendig. Aufbau Schienendolly und Kran. Für den Einsatz der Nebelmaschine muss der Hausmeister die komplette Brandmeldeanlage abschalten. Heute sind erstmals die männlichen Hauptakteure Stefan Lörcher, Frieder Pfeiffer und Markus Kiefer am Start. Kostümierung: komplettes Feuerwehroutfit inkl. Atemschutzgeräte. Uniform hat uns FFW Calw zur Verfügung gestellt, 2 komplette Atemschutzsysteme habe ich über ebay ersteigert. Stimmung mit Düse & Co. Ist heut gleich mal besser, aber noch ist es ja früh am Nachmittag. Der Dreh im Technikraum verläuft ordentlich, sogar der aufgebaute Kran kommt zum Einsatz (was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist). Sobald es dunkel wird, ziehen wir nach draussen um. Just in diesem Moment fängt es an, zu tröpfeln und mittlere Orkanböen machen uns beim Scheinwerfer (inkl. Folie) schwer zu schaffen. Tonaufnahme ist zwecklos, Nachvertonung wird fällig. Wir ziehen um ins Innere, wieder kommt es zum Zeitverzug, weil die Beleuchtung des großen Foyers im 2. OG viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Einige Dialoge mit den Security-Jungs funktionieren nicht und müssen hektisch umgemodelt werden. Es wird später und später, ich pfeife jetzt auf die geplanten und z.T. sehr aufwändigen Einstellungen mit Kran und Dolly, ab jetzt gibt's nur noch Stativaufnahmen, ich schnappe mir erstmals selbst die Kamera. In den letzten Zügen des Tages ergibt ein Wort das Nächste, die Nerven liegen blank. Das Drehende verläuft nicht wirklich harmonisch. Eine Stunde später liege ich auf meinem Sofa zuhause und "versöhne" mich per SMS. Bei dem Drehpensum morgen ist Disharmonie Luxus, den wir uns nicht erlauben können.

Sonntag, 20.03.2005

9 Uhr:
meine Kids wecken mich. Die verbleibenden zwei Std. nutze ich, um den Drehplan für heute zu ändern. Aufgrund der Verzögerung der Vortage muss ich mindestens eine Szene streichen. Da wir aber im Sommer sowieso noch Außenaufnahmen drehen müssen, ist das zu verschmerzen.
12 Uhr:
Drehbeginn. Erster gemeinsamer Auftritt der Gerber-Geschwister. Der Schminkplan, den ich im Vorfeld für jede Szene erstellt habe, macht sich bezahlt. Da die Gerbers im Laufe des Films mehrfach verprügelt werden, ändert sich das Make-Up der Vier ständig. Unser Hausmeister wird kurzerhand als Statist zwangsverpflichtet, glücklicherweise "wehrt" er sich nicht. Inzwischen sind Herr Kossbiel - unser Gangsterboss - und Lucia - seine Assistentin - eingetroffen, die zusammen mit den Gerbers ihre erste Szene haben. Wir ziehen hierfür wieder ins Büro des (demnächst) obersten Sparkassenchefs um. Da wir aufgrund der grossen Fensterfront weder beleuchten müssen, noch aufgrund der beengten Platzverhältnisse kameratechnische Mätzchen möglich sind, geht die Szene relativ schnell vonstatten. Danach gibt's wieder einen Szene im Foyer des 12. OG, wo Lucia eine schauspielerische Glanzleistung bietet. Die Motivation steigt. Die Szene spielt tagsüber, allerdings wird es bereits dunkel. Glücklicherweise ist kein Fenster im Bild. Dabei fällt mir jedoch auf, dass der Zeitplan bereits wieder überschritten ist. Jetzt im Eilschritt ins Foyer im 2. OG., wo wir zum einen die nichtgeschaffte Szene vom Vorabend sowie den ersten Auftritt von Schwarzens Sohn Ralf, gespielt vom MP-Novizen Florian Schempp, einem Studienkollegen von Alex. Er legt im Duett mit Lucia eine coole Performance hin. Zwar hat er beim "Casting" (höhö) schon einen guten Eindruck hinterlassen, aber bei neuen Darstellern bleibt natürlich immer ein Restrisiko, das dieses Mal jedoch unbegründet scheint. Der Abend schreitet voran, gegen 23 Uhr sollte eigentlich Drehschluß sein, wir beginnen jedoch jetzt erst mit dem letzten Set, einem Nachdreh vom ersten Abend. Wir "schießen" noch ein paar fehlende Einstellungen im Vorstandsbüro mit Cathrin als Einbrecherin. Alex hat einige coole Screendesigns für den Laptop programmiert, die aus Zeitgründen jedoch fast nicht zum Einsatz kamen. Wieder mal ein Fall für nen Nachdreh. Die letzten Einstellungen, die ich mit Matthias alleine durchziehe, werden ganz schick, der Dedo-Beleuchtungskoffer ist sein Geld wert.
Von 1 bis 2 Uhr sind wir noch damit beschäftigt, alles zusammenzupacken, was einfacher aussieht, als es ist.

P.S.: einige Tage später sichte ich die 4 Stunden Material, die im fertigen Film vielleicht 6 Minuten ausmachen werden. Zwar liegt das Ergebnis nach wie vor meilenweit von den illusorischen Vorstellungen des naiven Regisseurs entfernt, aber es sieht schon ganz nett aus, die Location macht einiges wett und auch einige darstellerische Highlights gilt es zu bewundern. Ich bin verhalten optimistisch, fiebere dem nächsten Dreh aber sehnsüchtig entgegen.

pfeil

Teil 4: Mittwoch, 18.05.2005

Während der Drehbuchentwicklung hatten wir (oder war ich es) uns vorgenommen, eine "Abschiedsszene" zu drehen und was lag da näher, als den Klassiker Flughafen als Location zu verwenden. Gesagt, getan, aber mir hatte schon böses geschwant, als unser Organisator Wolfgang bei seinem "Spin-Off" 10.000 und eine Nacht seinen geplanten Flughafendreh aus Kostengründen kurzerhand etwas "halblegal" als Guerillafilmer durchgezogen hat.
Nach wochenlangem Mailverkehr mit der sehr netten zuständigen Mitarbeiterin der Flughafen GmbH halten wir nun einen Drehgenehmigungsvertrag in Händen. Aber da war doch noch ein Haken: richtig, die Kosten. Knappe 500 Euro würde unser geplanter zweistündiger Dreh kosten. Schluck. Für eine stinknormale Dialogszene von ca. 90 Sekunden ohne explodierende Autos und abstürzende Helikopter ganz schön happig. Aber wir habens ja :-)
17 Uhr, Treffpunkt Halle (mal wieder): Alex und ich beladen die Autos mit Kamera-Equipment, Scheinwerfern und Requisitenkoffern. Für den Flughafencounter hat Alex ne geile Deko (die man vermutlich später im Film wieder nicht sehen wird) gebastelt: Flyer für unsere fiktive "Tornado Air – Fly low, pay high". Wie geil ist das denn, oder?
19.45 Uhr, Ankunft am Terminal 1. Mein erster Anblick ist unsere Darstellerin der Airline-Schalterdame, die in ihrem Original Lufthansa-Stewardessen-Outfit richtig g....ut aussieht. Ist doch der Hammer, Studentin und jobbt nebenher so als Stewardess. Leider schon vergeben, aber ich ja auch, na so ein Glück. Die restlichen 12 Statisten warten auch schon.
Im stillgelegten Terminal 0 sind wir ungestört und beginnen, die Beleuchtung aufzubauen. Hier gibts auch nen Counter mit der schmucken Nummer 112, können wir aber leider nicht einbauen. Wir proben die erste Dollyfahrt und nach zehn Versuchen ist sie auch "schon" im Kasten. Mit der insgeheim erhofften Abkürzung auf eine Drehstunde (wegen der Kohle) ist es bereits jetzt vorbei, bin froh, wenn uns zwei Stunden reichen werden. Während es in der Heimat um 21.30 Uhr noch fast taghell ist, siehts in Echterdingen schon um neun aus wie in der tiefen Nacht. Das heißt umdisponieren. Die für den Schluss vorgesehen Eröffnungssequenz am Taxistand vor dem Terminal muss vorgezogen werden, bevor man gar nix mehr sieht. Steffen, Flo und Alex bauen schnell den Kran auf und ich versuche, auf die Schnelle einen Taxifahrer davon zu überzeugen, für 10 Euro ne Runde für uns zu drehen. Eine türkische Landsmann begreift zwar nicht wirklich, was ich von ihm will, sieht aber den 10er in meiner Hand und sagt zu. Darstellerin Cathrin B. und bald dS. (die nach ihrem jahrelangen Lola-Kraft-Kampfamazonen-Outfit in ihrem schicken Hosenanzug mal so richtig gut rüberkommt) fährt ne Runde und steigt dann planmäßig aus dem Taxi, das am eigens für uns abgesperrten Seitenstreifen anhält. Kran hat a bisserl gewackelt, also noch mal. Ich versuche, den Taxifahrer davon zu überzeugen, dass man für 10 Euro nicht nur 2, sondern durchaus auch 5 Minuten einsetzen kann und noch mal ne Runde zu drehen. Er ist aber anderer Meinung und kassiert noch mal nen 10er. Grrrr. Dafür ist das tiefe Blau des Himmels eine echte Augenweide und ich bin versöhnlich gestimmt.
Wieder zurück ins Terminal 0 und flott den Dialog zwischen Cathrin und Stewardess Jana gedreht, dann noch ins Hauptterminal 1, wo Cathrin einmal die Rolltreppe hochfahren darf (na gut, es waren 6 oder 7 mal). 2 Cops fragen uns, ob wir ne Drehgenehmigung haben und geben sich mit meinem lapidaren "Ja, haben wir" zufrieden und ziehen von dannen.
Auch wir habens jetzt eilig – nicht etwa, weil wir gleich die 2 Stunden überschreiten, sondern weil in ner halben Stunde die Vorpremiere von Star Wars-Episode III beginnt.
Falls es noch jemand interessiert, ich schau mir nach 18 Jahren zum ersten mal wieder 9 1/2 Wochen an und Kim Basinger sah ja mal so was von geil aus – trotz megapeinlicher Dauerwellenfrisur. Ich hab zu dieser Zeit übrigens aus jedem Revolverblatt alles ausgeschnitten, was irgendwie mit Kim Basinger zu tun hatte. Außerdem hat sie von mir den wahrscheinlich peinlichsten Autogrammwunsch eines verliebten Teenagers "ever" erhalten – und nie geantwortet. Egal, ich hab sie trotzdem weiter geliebt. Ach noch was, ich war 16, als der Film damals in die Kinos kam. Als begeisterter Mofafahrer hab ich mich flugs auf den Sattel geschwungen und bin in einer einstündigen Fahrt nach Pforzheim ins Kino gefahren. Da der Film dummerweise frei ab 18 war, schickte mich die dumme Schlunze an der Kasse wieder nach Hause. Das war ein bitterer Tag in meinem Leben, aber zugegeben, ich schweife grade etwas ab und bereit nun lieber noch den morgigen Auftakt unseres Drehmarathonwochenendes vor. Demnächst also Neues vom Drehtagebuch.

pfeil

Teil 5: Mittwoch, 25. - Sonntag, 29.05.2005

Mittwoch, 25.05.

Das verlängerte Drehwochenende fängt mal wieder mit nem Missverständnis an. Flo und ich tanzen um 14 Uhr bei der Fa. Mann in Althengstett an und wollen – wie verabredet – mal wieder den Sprinter schnorren. Der nette Disponent teilt uns mit, dass Herr Hellmich den Sprinter um 17 Uhr holt, daher hätte er ihn vorher noch mal vermietet. SCHOOOCK!! Wir müssen doch noch das Equipment in Hildrizhausen und den Polizeipassat in Ergenzingen abholen. Er kann uns glücklicherweise einen Ersatzsprinter geben, den wir dann abends zwar wieder tauschen müssen, aber egal. Ab nach Simmozheim, Autoanhänger bei Fa. Auwärter holen. Ab nach Hildrizhausen. Zum ersten Mal bewundere ich die vollen Lager des Filmverleihs Gierich. Wir holen uns Scheinwerfer und das Schienendolly. Dann weiter nach Ergenzingen, wo wir den Polizeipassat abholen.
Auf dem Rückweg krieg ich schon wieder nen Schock. Ich schaue durch das Rückfenster und denke; "Scheisse, Bullen". Klar, der Polizeipassat steht auf dem Anhänger, den wir hinter uns her ziehen. Bin zwar nur ne halbe Sekunde drauf reingefallen, aber das reicht schon wieder, um Jahre zu altern.
Um 18 Uhr fahren Alex, Wolfgang und ich nach Böblingen zu R.TV-Radio, um eine Szene in einem Sendestudio zu drehen. Moderator Rasmus Mutscheller, der ja wirklich ein ganz Netter ist, spielt sich quasi selbst. Kein Wunder, dass die Szene relativ schnell im Kasten ist. Kleiner Schock bei der Materialkontrolle: ich höre fast keinen Dialog, nur Rauschen. Bis ich merke, dass ich den Kopfhörer falsch herum aufhabe, die rechte Seite produziert nämlich nur ein Rauschen, Ton gibt's nur auf dem linken Hörer. Puuuh!
Absacker im Sammel und bald ins Bett, denn...

Donnerstag, 26.05.

...heute klingelt um 4.30 Uhr der Wecker. Treffpunkt ist um 5 Uhr an der Halle. Zum Frühstück einen Schluck Vitaminsaft und ne Kippe und ab geht die Post. Polizei-VW-Bus wird mit vereinter Muskelkraft auf den Anhänger geschoben, dann geht die Kolonne nach Ernstmühl. Alex hat uns von der Fa. Seeger mal wieder den Hubsteiger geholt. Damit geht's auch gleich los. Wie inszenieren heute morgen einen Leichenfund am Nagoldwehr. Heinrich Knecht, bekannt als Polizeichef in T1, gibt den Angler. Eine erste Aufnahme aus 15 Metern Höhe, dann Dollyschienen auf der kleinen Insel verlegen, Schlauchboot aufblasen, Statisten mit Polizeiuniformen und sonstigen Utensilien ausstatten, die Feuerwehr Calw lässt ihr Motorboot zu Wasser, die ersten Schaulustigen tauchen auf und werden gleich als Gaffer verpflichtet, die Taucher gehen ins eiskalte Nagoldwasser und stützen unsere – in Plastikplanen eingewickelte Wasserleiche. Erster Auftritt unseres Neuzugangs Eberhard, der nen harten Cop mimt. Das Schauspuilerische stimmt und glücklicherweise auch die Chemie zwischen ihm und MP. Ich sitze auf dem Boden und studiere das Drehbuch. Unser übereifriger Making-of-Filmer Helmut, der mehr Material filmt als ich (und das will was heissen), läuft vorbei und kickt dabei meinen vollen Kaffeebecher in die Botanik. Aber er merkt nix und geht weiter. So what.
Aufgrund des hohen Geräuschpegels am Wasser vertonen wir die Szene an einem (vermeintlich) ruhigen Plätzchen in Ernstmühl nach. Doch irgend so ein blöder Gockel macht sich nen Spaß draus, mir jede Tonaufnahme mit seinem dämlichen Gekrähe zu versauen.

Gleich weiter auf den Hermann-Hesse-Platz. Dort kommt unser neu gekaufter Pontiac Firebird erstmals zum Einsatz. Erster Soloauftritt auch von Frieder. Stolz sind wir auf unseren echten "Stadtsheriff" Herr Gauss, der sich quasi selbst spielt und Strafzettel verteilt. Sengende Hitze und der arme Mann muss in voller Montur auf dem Platze verharren.
Im Laufe des Nachmittags drehen wir noch einige kleinere Szenen mit dem Pontiac, weil dieser am Samstag ja bereits wieder verschrottet werden soll.
Abendessen beim Chinesen und gegen 21 Uhr folgt der letzte Teil des Drehtages: vor dem Haupteingang des Calwer Krankenhauses gibt's ne kleine Dialogszene zwischen Frieder, Saskia und Nicole Kunzmann, bekannt als Lola-Kraft-Nachfolgerin in T4. Die beiden Mädels spielen Krankenschwestern und werden von Frieder heimgefahren.
Vor Saskias Wohnung in Stammheim lassen wir Nicole wieder aussteigen – auch für diese kleine Sequenz gilt es wieder die ganze Prozedur mit Kabel verlegen, Scheinwerfern einrichten, Dollyschienen verlegen, durchzuziehen. Aber das Team mit Flo, Alex, Jens und Steffen ist gut eingespielt.
Gegen 1 treffen wir dann zur letzten Teilsequenz in Alzenberg vor dem "Haus Schnürle" ein. Meine Mitstreiter haben Bedenken, den Hubsteiger nachts um 2 in der Wohngegend einzusetzen. Aber ich bin so was von knallhart und ziehe es durch. Irgendwann gegen 3 sind wir dann fertig. Richtig fertig.

Freitag, 27.05.

Heute drehen wir "nur" abends/nachts. Auf dem Programm steht eine "intime" Szene zwischen Frieder und Saskia. Ganz großes Kino, aber nur "kleines" Team. Wir fangen mal ganz behutsam mit ein bisschen Dialog an. Die beiden spielen sich warm (also, was den Dialog angeht).
Nachdem dann die Knutscherei losgeht, merke ich, dass der interessantere Teil, der ja noch folgen sollte, heute sicherlich nix mehr wird. Kurzerhand beschließen wir schon gegen 1 Uhr, lieber die morgen geplante Szene auf den Sommerdreh zu verschieben und den Sex dafür auf morgen zu verschieben. Keiner ist mir deshalb böse.
Meine Frau und die Kinder hatte ich vorsichtshalber mal zu meinen Schwiegereltern geschickt und jetzt liege ich ganz allein in meinem Bettchen und kann nicht einschlafen.

Samstag, 28.05.

Ich bin ja so was von aufgeregt. Ich hab nämlich keine Ahnung, ob der für heute geplante künstliche Regen filmgerecht rüberkommt. Auf dem Programm steht die Explosion des Pontiacs in meinem Hof. Die Löschgruppe Alzenberg der Freiwilligen Feuerwehr ist mit einem Löschfahrzeug vor Ort. Zuerst testen wir auf der Wiese, wie der Wasserstrahl am filmtauglichsten rüberkommt.
Dann geht's los. Saskia und Frieder werden schon beim ersten Take bis auf die Haut durchnässt – und es folgen noch viele Kameraeinstellungen. Der Hubsteiger ist ebenfalls wieder im Einsatz und langsam kommt im Hummelbergweg so was wie Volksfeststimmung auf. Über die Presse hatten wir den Termin ja veröffentlicht und viele Schaulustige und auch Nachbarn wohnen den Dreharbeiten bei. Im Garten wird gegrillt, die Kids bestaunen den "Feuerwehreinsatz" und bei uns kommt langsam Stress auf. Unser Haus- und Hofstuntman Gerhard ist extra aus dem Urlaub angereist (er hat mir bis heute nicht gesagt, wo er war), um die Explosion zu präparieren. Heute ist nicht wirklich sein Tag, die meisten der Gasverpuffungen, die eigentlich in einem Feuerball münden sollten, "verpuffen" einfach ohne dass der gewünschte Effekt eintritt. Der Perfektionist ist am Abend ziemlich geknickt und lässt sich von unseren Aufmunterungsversuchen nicht beeindrucken. Aber ich habe genug Material zum Schneiden. Jens hatte im Vorfeld ja mal wieder "was gebaut" – und zwar die "Kamera-in-Gefahr-Box". Ich wollte nämlich eine unserer älteren Kameras während der Innenraumexplosion ins Auto reinstellen. Die Konstruktion bewährt sich und wir haben ne schicke Aufnahme. Das Feuer hat dem Wageninneren komischerweise nicht so viel ausgemacht, die 50 Hektoliter Wasser, die so ein Feuerwehrjungfuchs danach in den Innenraum geblasen hat, jedoch schon. Apropos Explosion: ich muss Gerhard ja doch noch eine reinwürgen. Ich wollte zur Sicherheit meine Hauswand abhängen, damit sie nicht verkokelt wird. O-Ton Gerhard: "Ach was, des brauchsch ned mache". Von wegen, ich glaube, ich weiß sehr wohl, woher der Grauschleier, der just seit diesem Tage meine Ostwand ziert, herkommt. Und mein tolles Buxbäumchen im Vorgarten überlebt die Feuersbrunst auch nicht. Super.
Gegen Schluss wird's etwas hektisch, aber gegen 18 Uhr haben wir soweit alles im Kasten. Bin gespannt, wie der Regen beim strahlenden Sonnenschein rüberkommt.
Nach einem gemütlichen Grillintermezzo auf der Terrasse geht's gegen 21 Uhr mit dem lang ersehnten Sex los. Die Szene wird richtig schön und beleuchtungstechnisch zieht Flo alle Register. Besonders schön: seine Imitation des lodernden Kaminfeuers. Schön auch die Einstellung aus dem Ofen durch die Flammen auf die "Liebenden". Hier kommt unsere neue Brennpaste zum Einsatz und bewährt sich.
Lustig wird's, als Frieder sich gänzlich entblößen muss und "zur Sicherheit" ne Jutetasche über seinen "Wiener" zieht. Ein Bild für Götter.
Gar nicht lustig wird's jedoch am Schluss. Einer Fehlplanung meinerseits zufolge muss das Dolly aus der Halle geholt werden, weil ich's nachträglich noch unbedingt einsetzen will. Manch einer findet das überhaupt nicht komisch und ist stinkig. Ich verstehe ob meiner Begeisterung für die geplante Einstellung überhaupt nicht, was "das Theater" soll und bin dann auch stinkig. Während alle so vor sich hinstinken, versucht Flo die Situation zu retten und holt im Sammel "Caiphis to go". Nice try, aber letztendlich zwecklos. Die Fronten sind verhärtet und an diesem Abend auch nicht mehr aufzubrechen. Mir graut vor dem nächsten Morgen.

Sonntag, 29.05.

Treffpunkt für die Crew um 8.30 Uhr am Friedhof in Calw. Heute steht die Inszenierung einer Trauerfeier in der Friedhofskapelle auf dem Programm. Ein kleiner Auszug aus dem Planungsprogramm: 20-30 Statisten besorgen, Blumenschmuck bei Gärtnerei Fink besorgen, Sarg von meinem Arbeitskollegen, dessen Bruder Bestattungsunternehmer ist besorgen, ein Bild des "Verstorbenen" auf Format 30 x 40cm "aufblasen" (Danke SDV und Jens), dazugehörigen Bilderrahmen bei der Glasschmiede, ausleihen, nen fetten Klunker (im Wert von 5000 Euro!!) bei Juwelier Kühling als Leihgabe holen...
Eine auf den ersten Blick also sicherlich recht unscheinbare Szene, aber mit enormem Pre-Production-Aufwand verbunden. Der Landtagsabgeordnete Blenke gibt den Pfarrer und gegen 10 Uhr beginnen wir mit den Aufnahmen. Erstmal ordentlich Dollyschienen verlegen und fahren, was das Zeug hält. Andi Pfeiffer, der die Leiche gibt, wird in den Sarg gebettet (der Inhalt des Bettzeugs im Sarg besteht übrigens aus geschreddertem Papier – nur falls es jemanden interessiert).
Die Szene wird ohne größere Zwischenfälle aus mehreren Perspektiven gefilmt und mit nur einer Stunde Verspätung verlassen wir das Set gegen 13 Uhr. Die eingeplante Mittagspause fällt aber jetzt leider flach, sofort weiter zum Haus Reichert, das uns die Stadt Calw (mal wieder) zur Verfügung gestellt hat. Ein Zimmer im ansonsten recht heruntergekommenen Haus haben Verena, Alex und ich am Wochenende zuvor schon hergerichtet (einschließlich Vorhänge waschen). Alex treibts mit der Detailverliebtheit mal wieder auf die Spitze: die 30-40 DVDs, die im Schrank stehen, haben z.B. alle einen thematischen Bezug zu "5 vor 12". Auch die Bücher im Regal sind keinesfalls willkürlich ausgewählt worden.
Was unseren Statisten/Darstellern in den hübschen schwarzen Klamotten ziemlich zu schaffen macht, ist die schwüle Hitze an diesem Tag. Was dem Kameramann ziemlich zu schaffen macht, sind die wechselnden Lichtverhältnisse. Durch die großen Fenster im Raum haben wir vor allem natürliches Tageslicht als Lichtquelle. Da aber im Laufe des Nachmittags ein fettes Gewitter an uns vorbeizieht, schwindet das Licht nach und nach. Als Flo dann mit Scheinwerfereinsatz für künstlichen Ausgleich sorgen will, haut es uns die Sicherung raus. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn wir an den Sicherungskasten rankämen. Der jedoch liegt im Versicherungsbüro im EG. Von dort hatten wir am Freitag zwei Kabeltrommeln nach oben gelegt. Ich spiele schon ernsthaft mit dem Gedanken, den Dreh abzubrechen, doch Wolfgang ruft einfach den Versicherungsvertreter an und der kommt auch prompt vorbei und versorgt uns wieder mit Strom. Der Tag ist jedoch inzwischen weit fortgeschritten und mit den Dialogen, dem Licht und auch sonst bin ich nur bedingt zufrieden.
Der Abschluss, als wir noch eine kleine Sequenz im Flur und in der Küche drehen, klappt dann noch ziemlich gut. Gegen 20.30 Uhr verlassen wir den letzten Drehort für dieses Wochenende. Abschlussessen des harten Kerns findet wieder beim Chinesen in der Badstrasse statt, wo uns Frieder lustige Anekdoten von japanischen Musikstudentinnen erzählt. Cathrin wäre auch noch gerne mitgegangen und hat nach ihrem Dreheinsatz noch mehrere Stunden am Set gewartet, als kurz vor Schluß ihr Zukünftiger oder besser seine Fußballkameraden angerufen und doch dringend gebeten haben, den (diplomatisch ausgedrückt) stark angeheiterten Keeper vom Fußballplatz abzuholen. Ich glaube ihrer Mimik entnommen zu haben, dass sie nicht wirklich "amused" war. Aber man muss Pepe zugute halten, dass man auch nicht jeden Tag nen 26:0 Sieg einfährt (auch wenn's nur Kreisklasse B ist).

pfeil

Teil 6: Dienstag, 14.06.2005

Im letzten Film hatten wir bzw. Wolfgang es ja geschafft, neben unserem "bewährten" Gaststar Jochen Senf einen weiteren Promi an den Start zu bringen: Tilo Prückner. Wir interpretieren seine Bereitschaft, erneut mitzuspielen natürlich unbedingt damit, dass es ihm beim letzten Mal riesig gefallen hat.
Was ich etwas schade finde, ist die Tatsache, dass seine Szene in "5 vor 12" schon verdammt klein ist, es hat schon fast was protziges, nen "echten" Schauspieler für solch eine kleine Szene zu "verheizen", aber "jetzt ist es halt schon so." Schade natürlich auch um die Kohle, denn obwohl mir Tilo (unter "Künstlern" ist man ja gerne mal per du) glaubhaft versichert, dass seine reguläre Tagesgage zwischen 3000 und 3500 Euro liegt, sind die 500 Lappen für uns keine Kleinigkeit. Dazu kommt noch Übernachtung und Flug. Apropos Flug: kann mir mal jemand erklären, warum ein Lufthansa Flug Berlin-Stuttgart und wieder zurück 160 Euro kostet und ein einfacher Flug aber 220? Nun gut. Um 17.15 Uhr kommt der Flieger in Stuggi an, Wolfgang holt unseren Star ab. Da er in Zavelstein im "Lamm" übernachten wird, haben wir uns zum Abendessen im Wanderheim verabredet. Ich bin fast pünktlich und mich erwartet eine geballte Presserunde: neben Rasmus Mutscheller von RTV.Radio und Lokalchef Verstl vom Schwabo ist auch eine ganze Armada von der EnBW anwesend, die in Ihrem Regionalmagazin einen Bericht über Mania Pictures bringen wollen. Wohlwissend, dass sich die Meute bald nicht mehr für Mania Pictures interessieren wird, werde ich noch einige Infos über uns und unseren aktuellen Film los. Dann erscheint er, körperlich eher unscheinbar, aber seine Erzählungen und Anekdötchen lassen doch bald erkennen, dass Tilo Prückner echte Präsenz besitzt. Er erzählt von seiner Unzufriedenheit mit den Tatort-Drehbüchern der ARD ("wenn das so weitergeht, steig ich aus"), von seinem kleinen Filmprojekt ("ich wollte den Film HITCH nennen, aber dann hab ich erfahren, dass neulich irgend so‘n Amifilm mit gleichem Namen rauskam") und von Gott und der Welt. Und natürlich isst er Maultaschen. Nachdem der mit angereiste Fotograf seine Bilderserie geschossen hat und alle Fragen zur Zufriedenheit beantwortet wurden, fahren wir los. Treffpunkt war um 20.15 an der Halle, kurze Zeit später sind wir da. Das Equipment hatte ich schon vorher gepackt, also fahren wir gleich los gen Pforzheim. Im Stadtteil Eutingen im Altenpflegeheim "Schauinsland" (Wegbeschreibung: immer in Richtung Friedhof) werden wir nett empfangen. Die Belegschaft feiert ein kleines Sommerfest, es herrscht gleich eine gemütliche Atmosphäre. Während die Stars Tilo und Stefan Lörcher ihren Text proben, bauen Flo, Jens und Steffen die Beleuchtung auf. Unseren Taxi-Benz setzen wir heute zum ersten Mal ein, wenn auch nur stehend auf dem Parkplatz. Plötzlich ertönt ein röhrender Sound: unser Requisiten-Cadillac fährt an. Ein geiles Geschoss, das ich am Tag zuvor noch schnell aufgetrieben habe. Meine Krankengymnastin outete sich zwei Wochen zuvor als MP-Fan und bot das Auto für Dreharbeiten an. Als mir – grade mal wieder rechtzeitig – gestern einfiel, dass unser Schlägertrupp ja noch ein cooles Gefährt braucht, fiel mir die nette Frau wieder ein und siehe da, es hat kurzfristig geklappt. Mal wieder Dusel gehabt.
Die Darsteller und ich knobeln in einigen Proben den Ablauf des Dialogs aus und mit jedem Take klappts besser. Obgleich der Auftritt Prückners sicherlich kurz ist, wird er dennoch ein Highlight im Film darstellen: seine stotternde Darstellung des kleinen, fiesen Geldeintreibers, der von einem tumben 2-Meter-Riesen (Klaus Barbu) begleitet wird, ist genial. Tilo fragt, ob er zu dick aufträgt und gewissermaßen könnte diese fast an Slapstick grenzende Darstellung ja auch einen Bruch im Film darstellen, denn Komik ist ja schon immer in unseren Filmen enthalten, Slapstick jedoch eher selten. Nichtsdestotrotz sind die etwas dicker aufgetragenen Szenen bei unserem Publikum immer gut angekommen und ich lasse ihm freien Lauf bei seiner Performance.
Obwohl in der Szene einer der Darsteller ein Fingerglied verlieren soll, wollte ich ob unserer letzten "Gewaltorgie" T4 keine explizite Darstellung des Amputationsaktes, aber Tilo bestand unbedingt drauf, den abgeschnittenen Finger zu zeigen. Schweren Herzens (hihi) lasse ich mich breitschlagen, Jens baut was und schon ist der Film wieder ein bisschen blutiger geworden.
Nachdem der Dialog aus mehreren Perspektiven abgedreht ist, entlassen wir Tilo ins Hotel, nicht jedoch ohne ihn zuvor noch kurz für das Hochzeitsvideo von Cathrin als Moderator zu verpflichten. Er darf ein paar improvisierte Sätze in die Kamera sprechen und blödelt gar sehr dabei.
Danach drehen wir noch weitere 2,5 Stunden und packen gegen halb drei unsere Koffer. Trotz der fortgeschrittenen Zeit ein ziemlich entspannter Dreh. Und erinnert mich doch bitte nächstes Mal jemand daran, dass ich nicht so furchtbar aufgeregt sein muss, wenn wir mit nem Profi drehen. Und ich soll auch bitte nicht immer so viel rauchen.

pfeil

Teil 7: Donnerstag, 16.06.2005

Heute gibt's nur was ganz Kurzes. Szene 43, Stefan Lörcher wird nach einer Schlägerattacke im Krankenhaus in den Kernspintomographen geschoben. Wochen zuvor hatte ich meinen Kunden, Dr. Guhl von der Radiologiepraxis im KKH Calw gefragt, ob wir mal in den heiligen Gemäuern drehen dürfen. Er wusste glücklicherweise über meine kleine Nebenbeschäftigung Bescheid und sagte zu.
Kleine Crew: Alex und ich hinter der Kamera, Stefan und Saskia davor. Vor Ort erfahren wir, dass wir mit der Kamera maximal bis zur Türschwelle kommen dürfen, dahinter wird keine Garantie übernommen. Auch alle metallischen Gegenstände wie Schlüssel, Uhr und Handy müssen entfernt werden, weil der riesige Magnet des Tomographen wohl alles anzieht. Das erleichtert die Sache insofern, dass wir die ganze Szene in einem Take von der Tür aus drehen können bzw. müssen. Stefan wird schnell geschminkt, darin bekomme ich langsam echt Routine. Die anwesende Belegschaft ist recht amüsiert über die Abwechslung zum Klinikalltag und nach ner guten, na gut, sagen wir sehr guten Stunde sind wir dann auch fast fertig. Jetzt schnell nach Hause und die Nacht damit verbringen, Cathrins Hochzeitsfilm und das Filmprojekt "Kindergipfel 2005" fertigzuschneiden.

pfeil

Teil 8: Freitag, 22. - Freitag, 29.07.2005

Freitag, 22.07.2005

Dank unserer genialen Organisation haben wir am Vorabend kurz vor Mitternacht noch einen Drehort für die heutige Szene organisiert. Die Location soll laut Drehbuch eine Altbauwohnung in Köln sein. Da sich in Calw nichts passendes finden ließ, fahren wir nach Karlsruhe. Trotz kurzfristiger Orientierungsschwierigkeiten kommt die Vorhut irgendwann doch noch an - nach einer ausgedehnten Stadtrundfahrt. Die Nachhut mit Steffen und Matthias (die im Übrigen eine Stunde nach uns losgefahren sind und somit fast ausschlafen konnten) kommen 10 Minuten später auch schon an.
Die Wohnung sieht glücklicherweise genau so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte. Da unsere Darstellerin erst nach zwölf eintrudeln wird (ich hab tags zuvor erfahren, dass sie morgens noch zur Schule muss, süß), verlaufen die ersten Stunden etwas "behäbig", wir dekorieren, leuchten aus und drehen die ersten Einstellungen mit Frieder alias Frank Gerber. Er ist etwas gespannt, weil er mit dem Mädel – das er nicht kennt – gleich mal filmreif in die Kiste steigen muss oder darf, momentan ist ihm das noch nicht klar. Alex bringt sie dann mit. Marijeta, bereits als Statistin beim Friedhofdreh im Mai dabei, habe ich mal auf gut Glück als Franks Freundin engagiert. Ist zwar ne Minirolle, aber dafür wie gesagt gleich ne (völlig harmlose) Bettszene. Trotz meiner Vorwarnung hatte sie aber begeistert zugesagt, vielleicht lags an meiner Lobpreisung für Frieder. Egal, die "Chemie" zwischen den beiden hat gestimmt, es wird aufs heftigste geknutscht, aber...ohne Zunge. Ein Gesprächsthema, das uns die nächsten Tage noch des öfteren beschäftigen wird. Marijeta hat auch noch ne Freundin mitgebracht, die mittels der ebenfalls sehr kurzfristig organisierten Postleruniform eine Kleinrolle übernimmt.
Um 16 Uhr fahren wir weiter nach Bad Teinach. In der Tiefgarage des Badhotels drehen wir eine – ebenfalls in Köln spielende – Szene. Jens hat nen schicken BMW von AHG besorgt, ein älteres Ehepaar aus Nagold (mit Hund) machen Statisten. Die Aufnahmen gestalten sich schwierig, weil gerade heute eine große Geburtstagsparty im Badhotel steigt, bei der die gesamte Lokalprominenz erscheint und uns im Minutentakt die Tonaufnahmen versaut.
20 Uhr. Zurück ins "Headquarter". In unserer Halle dekorieren wir eine Hehlerwerkstatt. Jens hat wieder einige Bekannte mit geilen Autos organisiert. Alex hat ein paar Kölner Autokennzeichen am Rechner "gebaut", ein Schweißgerät sorgt für nen Lichteffekt und ein bisschen Rauch aus der Nebelmaschine – fertig ist die Atmo.
22 Uhr. Letzte Szene für heute. Vorm DV8 soll einer unserer Darsteller vom Sattelschlepper geplättet werden. Geplant ist ein Effekt à la "Final Destination", obwohl ich bis heute noch keine Ahnung habe, obs tatsächlich funktioniert hat. Die Polizei sperrt mehrmals kurzzeitig die Bahnhofstraße, einmal filmen wir die Einstellung nur mit dem Darsteller, dann nur mit dem vorbeidonnernden LKW. Beim Schnitt sollen beide Bilder dann so zusammengefügt werden, dass es mächtig nach was aussieht. Unsere Statisten requirieren wir mal wieder "just in time" direkt aus der Kneipe, dabei gibt's ein Wiedersehen mit Catharina, Hauptdarstellerin bei den ersten Filmen Ende der 80er Jahre, die ich nur alle paar Jahre sehe. Mir wird ganz warm ums Herz, ich war einer ihrer vielen "Fans" während der Schulzeit. So gegen 1 Uhr ist bereits Drehschluss, eine Situation, die uns in den folgenden 2 Wochen so nicht mehr unterkommen wird.

pfeil

Samstag, 23.07.2005

Heute ist ein ruhiger Tag, weil ich eine Woche zuvor zufällig erfahren habe, dass Cathrin heute noch arbeiten muss und somit für die geplanten Szenen nicht zur Verfügung steht. Tagsüber organisieren wir nen Grabstein und Blumen und dekorieren auf dem Calwer Friedhof das Grab von Papa Gerber.
16 Uhr Drehbeginn. Markus Kiefer reist aus Freiburg an, die Dreharbeiten verlaufen unspektakulär. Nachts folgt dann die erste "Hammerszene". Ein ellenlanger Dialog zwischen den Gerberbrüdern und Polizist Heckler alias Eberhard Haist, einer unserer Neuzugänge. Problem war, ein Waldstück mit Stromanschluss zu finden. Wir sind beim Sportplatz in Oberreichenbach fündig geworden, Alex organisiert Strom aus dem Sportheim. Zuerst filmen wir die Ankunft der Polizeikolonne; so oft, dass irgendwann der Sprit alle ist. Bis wir zum eigentlichen Hauptteil, dem Dialog kommen, ist es schon weit nach Mitternacht. Eberhard ist nicht hundertprozentig textsicher, so dass sich sie Sache zieht. Außerdem ist es arschkalt, soll das etwa der Sommer sein? Im Laufe der Nacht haben wir noch unsere Späßchen drüber gerissen, aber als ich heimfahre, dämmert es tatsächlich bereits. Es wird nicht das letzte Mal bleiben.

pfeil

Sonntag, 24.07.2005

10 Uhr. Die erste Szene auf dem heutigen Drehplan ist eine Rückblende mit den Gerbergeschwistern und ihrem Papa, gespielt von Making Of-Filmer Helmut Lülf. Wir drehen mal wieder in "Der Halle". Mittags ziehen wir auf das oberste Parkdeck vom ZOB und drehen die letzte Szene des Films. Der Himmel ist bedeckt, es ist kein wirklich schönes Licht, aber irgendwas müssen wir drehen und viele Alternativen gibt's momentan nicht. Da unsere vier Hauptdarsteller während des Films mehrmals verprügelt werden, gilt es erstmal, die Gerbers mit diversen Blessuren zu versehen, eine Tätigkeit, in der ich langsam Routine bekomme, die mir aber einige Tage später gehörig auf den Senkel gehen wird. Abgesehen von der Koordination mit dem Fahrplan der Deutschen Bahn AG (wir brauchen im Hintergrund einen einfahrenden Zug) verlaufen auch diese Dreharbeiten relativ problemlos.
20 Uhr. Frisch gestärkt von einem ausgiebigen Abendessen anlässlich Mamas Geburtstag geht's nun zur Billard-Factory. Außenszenen – und es regnet. Wir bauen trotzdem auf. Stefan L. erheitert uns mit seinen Fahrkünsten, Flo und Matthias verkünsteln sich innen mit dem Licht und die Darsteller vergnügen sich an den Spielgeräten. Es ist ca. 1 Uhr, als wir noch einige Fahrszenen im Polizei VW-Bus drehen, der Dedokoffer mit Innenbeleuchtungsvorrichtung für den Zigarettenanzünder ist Gold wert.

pfeil

Montag, 25.07.2005

Die für heute geplanten Außenaufnahmen entfallen wegen des "Sommerwetters". Stattdessen weichen wir ins "Haus Reichert" aus, eine Location, die uns die Stadt Calw (mal wieder) zur Verfügung gestellt hat. Im Film ist es die Wohnung des verstorbenen Benny Gerber. Dekoriert hatten wir schon für den Dreh im Mai, so dass wir gleich loslegen können. Nur eine relativ kleine Sequenz steht auf dem Programm und wir können ein wenig "spielen". Wir erarbeiten uns eine lange Einstellung mit dem Kran, die sehr schick aussieht, aber fast eine Stunde Probe und Vorbereitung in Anspruch nimmt. So macht Drehen richtig Spaß. Ohne Zeitdruck. Gegen Ende wird's dann natürlich doch ein wenig stressig, weil wir um 17 Uhr schon im DV 8 drehen wollen. Die Sache mit den Statisten klappt in diesem Jahr nicht wirklich gut, nur 3 Kneipengäste haben wir für unsere Szene zur Verfügung. Herr Räffle gibt den betont lässigen Barkeeper, von der Stimmung versuchen wir eine klassische Saloonszene im Western zu imitieren. Den ganzen Tag haben wir versucht, jemanden für die Rolle eines betrunkenen Kneipengastes aufzutreiben, erfolglos. Also muss unser Kamera-Matthias herhalten. Der Mann hat ja ungeahnte Komikertalente. Eigentlich wollten wir ja um 20 Uhr fertig sein. Eigentlich. Der Laden macht auf und langsam trudeln auch die ersten Gäste ein, die Geräuschkulisse wird lauter.
Gegen 21 Uhr ziehen wir nach draußen um. Und wieder fehlt uns ein Kleindarsteller, also springe ich als (extrem unrasierter) Taxifahrer ein, Düses A-Klasse wird mit Hilfe unseres Taxischildes kurzerhand zumselben umfunktioniert. Ein extrem komplizierter Vorgang, wie das Anfahren mit einem Fahrzeug an eine markierte Stelle, wird von mir mit Bravour gemeistert, ist aber zugegebenermaßen doch nicht ganz so einfach, wie es von "der anderen Seite" aussieht. Ich nehme mir vor, etwas mehr Verständnis für meine Darsteller aufzubringen. Am nächsten Morgen fällt mir immerhin ein, dass ich nachts irgendeinen guten Vorsatz gefasst habe, aber welchen?

pfeil

Dienstag, 26.07.2005

Um 10 Uhr sind wir für eine Minisequenz bei Tom´s Bergsportladen angemeldet. Wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, gibt's entweder nen Kranaufbau oder ne Dollyfahrt. Heute morgen ist erstmal der Kran dran. An der Kasse entdecke ich ein schönes "Device" für die heute Nacht anstehende Szene: eine kleine, blau leuchtende Lampe, die man hinterm Ohr festklemmen kann. 9,90 Euro, das gibt unser Budget grade noch her oder besser gesagt, das macht den Kohl auch nicht mehr fett. Kleiner Exkurs: vom veranschlagten Budget von ca. 20.000 haben wir vor Beginn des Hauptdrehs schon ca. 15.000 ausgegeben. Wenn das mal hinhaut.
Kurze Mittagspause bei McDonald´s, danach zu einer kleinen Parkanlage am Hohen Fels, die ich im Frühjahr bei der Motivsuche zufällig entdeckt habe. Von hier hat man eine schöne Sicht auf die Innenstadt. Eine kurze Dialogsequenz, aber durch den Einsatz des Schienendollys auf extrem unebenem Untergrund (Steffen kann seine Künste perfektionieren) wird die Sache dann doch auf 2 ½ Stunden ausgedehnt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: die Dollyeröffnungseinstellung sieht sehr schön aus und hat sich somit gelohnt.
Ab 15 Uhr steht ne kleine Dialogszene im Cafe Wendland in der Innenstadt an. Kneipier Sascha Fuchs spielt sich selbst (aber nur, weil Herbie W. nicht wollte) und wir posen mal wieder mit dem Dolly. Normalerweise lacht man drüber, aber man fühlt sich schon ganz groß, wenn man vor den Augen der staunenden Passanten mit dem fetten Lieferwagen vorfährt, cooles Outfit, das Gaffertape lässig am Gürtel hängen, ne Kippe im Mundwinkel (ich glaube es passiert nur mir ab und zu, dass dann der Rauch ins Auge zieht, dann siehts wiederum eher peinlich aus, aber das ist ne ganz andere Geschichte) und dann fett Dollyschienen aufbauen. Die gaffende Menge mit Missachtung strafen (höchstens es läuft mal ne gut aussehende Bekannte vorbei, da kann man dann auch mal auf eine Zigilänge die anderen arbeiten lassen) und ganz beschäftigt aussehen. Tja, das Filmer-Leben ist schon was ganz Großes.
Da heute "Kleinkruscht-Tag" ist, schießen wir noch mal ganz locker ne kleine Sequenz vor den Schließfächern am ZOB. Dolly hatten wir grad eben, also ist jetzt wieder der Kran dran, der ganz tief ins Dekollete einer Darstellerin fährt. Aber ohne Absicht, ich schwöä. Nervig ist die Umschminkerei vor jeder noch so kleinen Szene, denn dummerweise verändert sich das Make-Up der Gerbers ständig. Außerdem weigert sich unser Star Stefan L. vehement, in den Drehpausen geschminkt durch Calw zu laufen.
Als Highlight des Tages (bzw. der Nacht) gibt's ab 20 Uhr die Außenaufnahmen der im März begonnenen Turmsequenz. Der Sparkassentower zu Pforzheim wurde ja für teuer Geld von einem internationalen Lichtkünstler mit nem Supidupibeleuchtungskonzept ausgestattet (ich meine nicht unseren Floooori, der ebenfalls mit unseren Filmleuchten ein schönes Beleuchtungskonzept für den Turm erstellt hat), das erst im Juni installiert wurde. Unter anderem deshalb haben wir die Außenaufnahmen erst auf den Hauptdreh terminiert. Blöd ist jetzt halt nur, dass die Beleuchtung um 23.30 Uhr abschaltet und wir so ca. 10 Minuten später anfangen zu drehen. Zuvor haben wir nämlich noch kurz eine fehlende Innenaufnahme im "König Artus Saal" im 14. Stock mit Gangster Schwarz, den beiden Killerbabes und Lucia gedreht (Muss ich erwähnen, dass Kran UND Dolly eingesetzt wurden?)
Klettermaus Ute, die als Stuntdouble für Cathrin einspringt, hat sich nen Helfer mitgebracht. Die ganze Kletterei ist doch ein wenig aufwändiger als gedacht. Die Zeit schreitet langsam aber sicher voran und Cathrin ist ziemlich angepisst. Das steigert sich noch, als ich sie mit ihrer doch eher extrem zu nennenden Höhenangst im 8. Stock auf einen kleinen mit Gitterrost beplankten "Balkon" rausschicke. Aber wenigstens das blaue Lichtlein erhellt die Szene.
Irgendwann gegen 2 oder 3 (was spielt Zeit schon für eine Rolle?) packen wir zusammen.

pfeil

Mittwoch, 27.07.2005

Heute morgen steht die Ankunftszene von Walter Gerber alias Stefan Lörcher auf dem Programm. So ne kleine Geschichte, die einige Sekunden im Film dauert und extrem aufwändig und langwierig zu drehen ist.
Unser altes Benz-Taxi hat heute seinen ersten, großen Auftritt. Ute, Steffen und Jens haben den Innenraum mit schönen Elvisdevotionalien und sonstigem Schnickschnack verschönert.
Alex baut mittels eines Alutrittbretts, Spanngurten und Gafferband die Kamera auf die Motorhaube, so dass wir Stefan während der Fahrt filmen können. Dieses "Konzept" haben wir 1999 während den Dreharbeiten zu "Fallen Angel" entwickelt. Nachdem wir seit Samstag auf das passende Wetter gewartet haben, knallt heute endlich die Sonne. Das ist jedoch wegen der Reflexion auf der Windschutzscheibe wiederum nicht so gut. Bis wir mehrere verschiedene Perspektiven im Kasten haben, wird die Strecke Hirsau-Calw des öfteren abgefahren.
Um 14 Uhr gehts nahtlos weiter ins Arbeitsamt, das mal wieder unser Polizeirevier doubeln darf. Weil ich mal wieder verpennt habe, einen Darsteller für heute Mittag zu engagieren, der aber dummerweise nirgendwo im Telefonbuch auftaucht, muss ich kurz nach Hause fahren, im ne Mail schreiben und hoffen, dass er sie heute Mittag noch liest. Gegen 17 Uhr wäre er nämlich dran. Gedreht wird eine längere Dialogszene zwischen Walter und Polizist Heckler. Als wir nach längerer Vorbereitung (in der sich Flo ins Schlechtelauneland verabschiedet hat oder war er da schon, ich weiß nimmer) anfangen wollen, stellen wir fest, dass Stefan gar nicht geschminkt ist. Die Make-Up-Kiste ist jedoch im Sprinter. Der wiederum ist auf dem Weg nach Stammheim, der Rest der Crew bringt den Grabstein zurück. Wir können die Jungs abfangen und die Kiste holen um dann kurze Zeit später festzustellen, dass wir auch die Tonstange im Sprinter vergessen haben. Ruhig bleiben.
Highlight der Szene ist das Zerdeppern einer Zuckergussflasche auf Eberhards Hasenschädel. Das klappt ganz gut und sieht auch possierlich aus, aber danach haut ihm Stefan die Birne in echt gegen den Schreibtisch. Das tat weh. Aber Eberhard revanchiert sich und knallt auch Stefans Birne gegen den Tisch. Warum schminke ich die Jungs eigentlich immer, wenn's doch so einfach geht.

Um 19 Uhr gibt's ne kurze Einstellung in der Leitstelle des DRK, danach flugs weiter aufs Parkdeck im ZOB. In einer Laune beschließen wir, auf dem Dach des Parkhauses zu grillen. In dieser Szene hilft uns doch tatsächlich mal die Vorplanung, d.h. die Auflösung der einzelnen Kameraeinstellungen, die in dieser Szene mal tatsächlich nahezu 1:1 umgesetzt wird. Es wird zwar doch wieder 3 Uhr, bis wir fertig werden, aber die Aufnahmen sind schön geworden – glaub ich. Blöd war nur, dass unser Lieferwagen mit dem Equipment zu hoch für die Parkhausauffahrt war und wir somit die gesamte Ausrüstung 4 Stockwerke hochschleppen durften. Aber (noch) ist unser Team ja komplett.

pfeil

Donnerstag, 28.07.2005

Wir fahren mit kleinem Team (Steffen und ich) nach Nagold ins Internetcafe. Dort gibt's ne kleine Szene mit Markus und einer Sprecherin von RTV-Radio. Danach drehen wir in Calw ne kleine Szene mit dem Taxi. Als idyllische Wohngegend haben wir uns den Salzschöfflerweg in Alzenberg, meiner neuen Heimat, ausgesucht. Eine gute Wahl: eine nette Anwohnerin, die wohl mit unseren Werken vertraut ist, versorgt uns bei brütender Hitze mit Eiskaffee und sonstigen Erfrischungen. So lässt sich's drehen.
Danach noch ne Taxianfahrt am Unteren Ledereck mit den Gerbergeschwistern.
So ruhig der Tag verlaufen ist, so stressig wird die Nacht. Doch der Reihe nach. Auf dem Programm steht eine große Szene im Haus Reichert, als Ralf alias Flo Schempp die Gerbers nach dem Turmeinbruch überrascht, dann aber gefangen genommen wird. Wir sind früh dran, da die Szene aber nachts spielt, hängt die Crew die Fenster mit schwarzen Tüchern ab. Bis wir es dann tatsächlich schaffen, anzufangen, ist es aber dann auch dunkel. Also werden die Tücher erst mal wieder abgehängt. Aber schön, dass wir so was auch können. Jens brutzelt auf der Dachterasse Würste, die Darsteller proben draussen, Flo, Matthias, Steffen und Alex bauen das Licht und die Dollyschienen auf. Die Szene ist schön, aber irgendwann werfe ich meine vorbereitete Auflösung über Bord und improvisiere. Da ich mir wegen des Achsensprungs aber nicht mehr so sicher bin (dem Dollyhinundhergefahre sei Dank), wird die Szene aus fast jeder Richtung gedreht. Frieder soll Flo am Kragen packen und macht seine Sache so gut, dass es Flo irgendwann zu viel wird und er rebelliert. Es ist gegen 3 Uhr und langsam macht sich Erschöpfung breit. Doch erst gegen 5 Uhr sind wir fertig...mit den Nerven. Ich hoffe mal wieder, dass es sich gelohnt hat.

pfeil

Freitag, 29.07.2005

Um 9.30 Uhr geht's schon wieder weiter. Steffen hatte gestern Abend "frei" und ist als einziger am Set relativ frisch. Cathrin kann in dieser Sequenz die ganze "Zickigkeit" ihrer Filmrolle ausleben – und sie macht es so was von gut, als ob ihre Stimmung gar nicht gespielt wäre. Wir haben einfach gute Schauspieler. Oder ob es an letzter Nacht liegt? Mir furzegal, hauptsache es funktioniert. Etwas aus dem Konzept bringt mich Cathrin dann aber doch noch: ihr Outfit besteht quasi nur aus einem Mörderdekollete. Ich ertrag es wie ein Mann.
Danach ziehen wir ins Klosterhotel nach Hirsau um. Nach monatelanger Suche sind wir dort 2 Tage zuvor bezüglich einer Kegelbahn fündig geworden.
Beim Aufbau fällt mir mal wieder auf, dass wir extrem viel Zeit mit der "Szenenvorbereitung" verplempern. Aufgrund der Lüftungsanlage werden wir die Szene – wie einige andere auch – nachvertonen müssen. Die Schwierigkeit der Szene liegt darin, dass unsere Darsteller Betrunkene spielen müssen, eine heikle Geschichte. Bin momentan noch nicht voll davon überzeugt, dass es wirken wird. Überflüssig zu erwähnen, dass das Dolly wieder zum Einsatz kommt. Der Rest der Crew vertreibt sich die Zeit damit, die Kegelbahn ausgiebig zu testen. Um 17 Uhr eine restliche Einstellung der Szene von gestern Nacht im Haus Reichert, danach kleiner Umtrunk im Wendland.
Als wir um 19 Uhr zur Feuerwehr fahren, fängt es so was von heftig an zu schütten, dass ich innerhalb von Sekunden bis auf die Haut völlig durchnässt bin. Unsere "Feuerwehrbetreuer" müssen mal eben zum Einsatz ausrücken. Wir lümmeln solange auf den Feuerwehrautos rum. Wir filmen den Alarmstart eines Feuerwehrfahrzeugs, es hört glücklicherweise auf zu regnen. Bei der Abfahrt des Fahrzeugs fällt uns beiläufig auf, dass auf dem Rücksitz doch eigentlich Markus alias Kalle Gerber sitzen müsste. Aber er steht irgendwo in der Ecke und geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach: telefonieren. Verliebte Jungs. So was kann mich am Ende der ersten Drehwoche nicht mehr aus dem Konzept bringen.
Gegen 22 Uhr ziehen wir ans Untere Ledereck um, wo nochmals das Feuerwehrfahrzeug zum Einsatz kommt. Während die Gerberbrüder vermummt in Feuerwehruniform und Atemschutzgerät agieren, klettert Cathrin im "Catsuit"-Einbrecheroutfit aufs Dach des Fahrzeugs. Für die Einstellung hieven wir den Kran ebenfalls aufs Dach des LKW. Beim Versuch, den Enterhaken zu schwingen, erschlägt sich Cathrin fast selbst, aber sonst verläuft alles nach Plan. Den Abschluß des Drehtags, pardon, inzwischen ist es 1.30 Uhr, begehen wir am "Weinsteg". Dort "schießen" wir noch ne kleine Sequenz mit den Einbrechern im Taxi, gegen 3 Uhr ist Feierabend.

pfeil

Teil 9: Samstag, 30.07. - Freitag, 05.08.2005

Samstag, 30.07.2005

Das Wetter und der Schlafmangel machen uns zu schaffen, aber noch ist es trocken. Zuerst schlagen wir unser Quartier am Unteren Ledereck auf, fett mit Absperren un so...Sieht wichtig aus. Eddi – ein Part unseres (im Gegensatz zum Original aber lustiges) Erkan&Stefan-Verschnitts – haben wir nach der gelungenen Bahnhofssequenz gleich noch mal als Schläger verpflichtet. Er darf nen Stunt hinlegen, vom anfahrenden Taxi stürzen. Mittels Matratzen gelingt es sehr gut, er fliegt wie ein junger Gott.
Gegen 12 Uhr ziehen wir einige Meter weiter in die Lederstraße. Dort wird Markus alias Kalle Gerber von Schlägern bedrängt und schließlich von seinen Geschwistern im Taxi "rausgehauen". Die zu dieser Zeit belebte Fußgängerzone gestaltet das Unterfangen einigermaßen schwierig und ich bin auch nicht wirklich zufrieden, da die Anzahl der Schläger aufgrund einiger sehr kurzfristiger Absagen ziemlich geschrumpft ist. Der zufällig anwesende OB Dunst wird gleich als Statist zwangsverpflichtet, ich hoffe, er verzeiht uns das im Drehbuch enthaltene Wortspiel mit seinem Namen.
Fast pünktlich um 16 Uhr gehts zur Marktbrücke. Wir haben hier eine Drehgenehmigung zur zeitweisen Vollsperrung der Hauptdurchgangsstraße. Während unser Stuntman Gerhard, der zusammen mit Jens seit heut morgen um 7 Uhr an alten Requisitenfahrzeugen rumschweißt, die Fahrzeuge für den folgenden Crash klarmacht, rufen wir die Polizei an und fangen mit der Straßenabsperrung an. Pünktlich zum Drehbeginn fängt es an zu regnen, glücklicherweise nur ein kleiner Schauer. Mit Papierhandtüchern aus dem Wendland trocknen wir das Taxi ab und los geht's. Walter, unser Stuntfahrer Nr. 1 ;-) muss mit dem Taxi schnell um die Ecke pfeifen. Aufgrund des nassen Straßenbelags kommt er etwas ins Rutschen und kriegt beinahe nen Herzinfarkt. Irgendwie muss er wohl ziemlich knapp an meiner Kamera vorbeigeschrammt sein. Ich hab nix gemerkt. Durch den Kamerasucher sieht die Welt einfach anders aus. Dann beginnt das Highlight. Während das Taxi über die rote Ampel auf die Hauptstraße abbiegt, sollen 3 Autos ineinanderfahren. Da alles separat gedreht wird, siehts live nicht ganz so spektakulär aus. Zuerst stellt Gerhard den umlackierten, giftgrünen Granada (Aufschrift am Heck: Amis raus aus GRANADA) quer, dann folgt ein heftiger Auffahrunfall (bei dem ein Straßenschild leicht in Mitleidenschaft gezogen wird), zu guter letzt bauen wir die sackschwere Rampe auf und unser Stuntman legt das dritte Auto auf die Seite. Peinlich zu nennen war nur der Moment, als die Straße (mal wieder) voll gesperrt war, eine lange Autoschlange in der Bischof- und Bahnhofstraße wartet und alles gebannt zuschaut. Gerhard soll nun mit einer der Schrottkarren losfahren, aber nix geht. Flo rennt mit einem Startkabel an, aber es ist nur fehlender Sprit. Und das vor den Augen von Dutzenden Autofahrern im Stau. Panne.
Irgendwie kriegen wir die Szene zum Abschluss, unsere betreuenden Polizisten und die anwesende Reporterin der Stuttgarter Zeitung bewahren Geduld.
Das Pensum des bisherigen Tages würde jetzt eigentlich eine fette Pause rechtfertigen, aber der schlimmste Teil sollte noch folgen. Für die ersten der beiden geplanten Drehnächte des Showdowns (es sollten dann schließlich 6 Nächte und einige Stunden extra, verteilt auf weitere 3 Abende werden) ziehen wir aufs Betriebsgelände der Firma Alber in den Hirsauer Wiesenweg um. Das verfallene "Ambiente" , die alte Holzscheune mit Glockentürmchen lassen etwas Westernatmosphäre aufkommen. Bis mal alles beleuchtet und aufgebaut ist, vergeht schon mal ordentlich Zeit. Wir beginnen mit Bad Guy Schwarz und seinen Schergen – allesamt gekleidet in Staub- oder Ledermäntel. Sieht cool aus. Wir haben zwar zig tolle Maschinenpistolen für die Jungs gekauft, aber selbstverständlich sind die nicht funktionsfähig. Deshalb müssen wir den gesamten Schusswechsel mit Mündungsfeuer aus dem Rechner versehen – ein Job für unseren Visual F/X-Mann Toby Lawrenz. Sieht aber dafür einigermaßen lustig aus, wie die Jungs alles geben und den Rückstoß der Waffen simulieren müssen. Düse, der sich abends auf eine Hochzeit verabschiedet hat, wird um 4 Uhr noch zum Drehort zitiert, erst jetzt drehen wir mit den Gerbergeschwistern. Als ich diese Zeilen schreibe, ist der Dreh schon längst Geschichte, d.h. ich kann mich nicht mehr wirklich erinnern. Aber ich schätze einfach mal, dass die Stimmung zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt nicht mehr wirklich doll war.

pfeil

Sonntag, 31.07.2005

Wir haben zwar morgens selten wirklich früh angefangen, aber heute beschliessen wir mal ganz offiziell, erst nachmittags loszulegen. Auf dem Programm steht ne kleine Szene in Speßhardt "aufm Acker". Eigentlich sollte am Drehort eine total verfallene Holzhütte stehen. Tut sie aber nicht (mehr). Sie liegt zusammengefallen darnieder. Na ja. Szene verläuft ansonsten problemlos.
Abends schieben wir gleich noch mal ne Prise Showdown nach. Heute konzentrieren wir uns jedoch ausschließlich auf die Gerbergeschwister, die sich hinter dem Auto verschanzt haben. Die Vier müssen im Dreck sitzen, werden mit Glassplittern beworfen und außerdem ist es mal wieder viel zu kalt für die Jahreszeit. Highlight ist Frieders Hechtsprung über das Taxi. Wir haben uns hierfür ne Weichbodenmatte und ein Trampolin ausgeliehen.

pfeil

Montag, 01.08.2005

Grundsätzlich sind wir ja immer auf der Suche nach neuen, interessanten Locations. Ob es an meiner Vorliebe für die Golferkomödie "Caddyshack" liegt, ich weiß es nicht, auf jeden Fall wollte ich unbedingt eine Szene auf dem Golfplatz drehen. Über Steffens Vermittlung haben wir Kontakt zum Golfclub Bad Liebenzell aufgenommen. Der Termin wurde im Vorfeld wegen der Witterung bereits einmal verschoben, aber heute haben wir Glück. Da Alex heute seinem Schneckchen beim Umzug nach Freiburg hilft und den Sprinter mitnimmt, haben wir in der Nacht noch das Equipment in meinen Kombi umgeladen.
Wir beginnen um 9.30 Uhr mit dem Aufbau: Dollyschienen auf dem Green verlegen. Die einzige Szene im ganzen Film, bei der wir keinerlei Probleme hatten, Statisten aufzutreiben, ist die heutige. Zuletzt musste ich sogar Anfragen ablehnen. Ich organisiere eins dieser geilen Golfwägelchen und es macht richtig Laune, damit durch die Gegend zu gurken. Lucia sieht das genau so; es sieht so aus, als ob sie auf diesem Gefährt ihren Führerschein gemacht hat.
Der Rest der Szene ist eigentlich "nur" ein einziger, langer Dialog zwischen Papa Kossbiel aka Gottfried Schwarz und seiner Assistentin Nadja Döring (Lucia Schlör). Aufgrund Wind und manchem Versprecher dauern die Dreharbeiten dann doch auch noch ihre Zeit. In meiner Funktion als Kameramann schaffen mich die ständigen Lichtwechsel aufgrund der vorbeiziehenden Wolken. Rasmus Muttscheller, der geschätzte RTV-Moderator unseres Vertrauens, ist als Statist dabei und nutzt den Auftritt natürlich gleich, um ein kurzes Interview aufzuzeichnen.
Nach einem gemütlichen Mittagspäuschen im Wendland fahren wir um 15 Uhr nach Alzenberg ins elterliche Haus unseres Frieders. Ich habe meinen (physischen) Tiefpunkt erreicht und überlasse die anstehende Szene komplett Matthias. Eigentlich kann ich schwer loslassen, aber in diesem Moment ist mir einfach alles egal. Das sind die gefährlichsten Momente. Da will man einfach nur fertig werden, egal welche Qualität man abliefert. Ich wollte die "freie" Zeit eigentlich nutzen, um ein Nickerchen zu machen, aber ich schlummere höchsten 10 Minuten. Erholsam ist es trotzdem irgendwie – glaube ich.
Was Szenenwiederholungen angeht, erweist sich Matthias als kleiner Stanley Kubrick. Da toppt er mich locker. Erwartungsgemäß frotzeln meine Hauptdarsteller nach der Szene: "Warum dreht Matthias eigentlich nicht alle Szenen?" Ich ignoriere die Spitzen geflissentlich, aber natürlich arbeitet es trotzdem im Hinterkopf. Der heutige Montag nimmt in mancherlei Hinsicht eine Schlüsselstellung innerhalb der Hauptdrehzeit ein, eine Wendung – leider nicht zum Besseren. Auf meinem Schmierzettel folgt jetzt eine 1 DIN A 4-Seiten lange Abhandlung, in dem ich meinen ganzen (damaligen) Frust entlade. Da geht es um Erwartungen an mich und Andere, um Lob und Anerkennung, Stressbewältigung und das langsame Auseinanderdriften der Gruppe. Inzwischen ist viel Zeit vergangen, wir haben uns im Team über die Drehzeit unterhalten und nächstes mal wird alles wieder viel besser.

pfeil

Dienstag, 02.08.2005

Über das schöne Instrument "Locationdatenbank Baden-Württemberg", einer Internetplattform zur Vermittlung von Drehorten, wurde ich fündig bei der Suche nach einer Villa für unseren superreichen Obergangster Schwarz. Bei unserem Wunschdrehort in Calw erlebten wir ein absolutes Novum: Ablehnung der Drehgenehmigung! Was erlauben die sich? Wir sind ja schließlich nicht irgendwer, wir sind Mania-Pictures J Seis drum, für teuer Geld finden wir eine geile Location in Bönnigheim bei Ludwigsburg. Der Eigentümer hatte nach eigenem Bekunden schon 3 mal das Vergnügen, von Filmakademiejungregisseuren als Drehort ausgewählt worden zu sein und hatte daher erst keine große Lust, sich noch mal ein Filmteam "anzutun". Ich konnte ihm jedoch glaubhaft versichern, dass unser Troß nicht 30, sondern eher 5 Leute umfasst und auch sonst vermutlich nicht viel an Profidreharbeiten erinnert.
Um 9.30 Uhr fahren wir los, Saskia, die gestern aus dem Urlaub zurückkam, hat auch gleich nen Einsatz. Es bewahrheitet sich mal wieder: ne geile Location ist die halbe Miete. Auf dem Plan stehen 3 Dialogszenen, alles verläuft problemlos. Gegen 17 Uhr geht's zurück nach Calw, wo uns schon Olaf Ittenbach, der "Community-Guru" erwartet. Er ist mal wieder aus dem fernen Fürstenfeldbruck angereist, um uns mit guter Blutsuppe zu erfreuen. Wir wollen heute Abend "nur" den Teil des Showdowns drehen, in dem Schwarzens Security-Truppe zersiebt wird. Da es regnet, verlagern wir die Dreharbeiten kurzerhand in unsere altehrwürdige Halle – eine Terminverlegung kommt aufgrund des Anfahrtsweges von Olaf nicht in Frage. Da die Halle groß und dunkel ist und sich der Bildhintergrund somit im Schwarz verliert, wir die Einstellungen zudem nur in nahen Einstellungen drehen wollen, müsste es klappen. Die Vorbereitung der "Body-Hits" erweist sich als ziemlich langwierige Sache, aber aus Sicherheitsgründen müssen die Darsteller ordentlich gepolstert, mit Schutzpanzer versehen und mit Blutbeutel sowie Sprengkapseln versehen werden. Die flapsige Erzählweise von Olaf ("wenn Du die Arme nicht hochnimmst, kanns Dir halt die Hand wegreissen") ermutigt unsere "Opfer" nur bedingt. Aufgrund der locationbedingten Einschränkungen der Bildausschnitte erweist sich die Kameraarbeit nun doch schwieriger als erwartet, aber viele Stunden später (so gegen 5 Uhr) ist alles erledigt. Ich hab nun noch das Vergnügen, meine zwei Killerladies nach Stuttgart zu fahren, bei der Rückfahrt gerate ich dann noch in eine Polizeikontrolle. Die Cops fragen mich nach Alkohol- oder Drogenkonsum, nachdem ich ihnen erzähle, dass ich grade von Dreharbeiten komme. Gegen 7.15 Uhr liege ich im Bett, meine Gattin steht grade auf.

pfeil

Mittwoch, 03.08.2005

9.30 Uhr. Weiter geht's in der Billard-Factory. Um den Hauptdreh am kommenden Wochenende etwas zu entschärfen, ziehen wir eine Teilsequenz vor. Da die Szene bei Nacht spielt, müssen wir die großflächigen Fenster mit schwarzen Tüchern abhängen, was nur bedingt erfolgreich ist. Fürs Wochenende werden wir uns eine große Rolle Teichfolie besorgen.
Gegen 14 Uhr ne kurze Anfahrtsszene mit dem Taxi und den Gerbers (und dafür wieder die olle Schminkerei), ne Stunde später geht's an den ZOB, die Ankunft Kalles in Calw steht auf dem Plan.
Ein kleiner Imbiss auf dem Floß und weiter geht's nach Pforzheim, wo wir in einem schicken Industrieloft drehen. Die Geschichte, wie wir an diese Location kamen (Danke Eddi) führt zu weit, war aber durchaus witzig. Das Loft soll die Wohnung von Kalle doubeln und ist so schick eingerichtet, dass wir nur noch 2 Notebooks auf den Tisch stellen und einige vorbereitete Zeitungsartikel an die Wand pinnen müssen. Es sind nur wenige Einstellungen zu drehen, geht relativ schnell.
Ab 20.30 Uhr wieder mal Betriebsgelände Fa. Alber – Showdown. Wir drehen heute den dialoglastigen Part des Finales. Was uns hierbei ziemlich nervt, ist eine Pumpe, die sich alle 10 Min. einschaltet und den "workflow" doch einigermaßen stört. Hab ich eigentlich schon von unserem Pontiac erzählt? Das Drehbuch verlangte im Showdown nach einem mit angeschweissten Stahlplatten versehenen Auto, mit dem die Gerbers gerettet werden sollen. Eindeutig ein Job für Jens, der diese Aufgabe offenbar ernster als ich genommen hat. Da wir grad kein anderes Auto zur Verfügung haben, wird unser schwarzer Pontiac recycelt, den aber garantiert niemand wieder erkennen wird. Das Ding sieht original so aus, als ob er einem Mad Max-Streifen entsprungen wäre. Schade, dass davon im fertigen Film nicht wirklich viel zu sehen sein wird. Der Wagen wird mit Camouflage-Lackierung versehen, die Reifen sowie die Scheiben werden mit Stahlplatten verkleidet, die Windschutzscheibe mit einem Gitter versehen. An die Stoßstange vorne kommt ein Rammschutz, der hintere Teil des Dachs wird entfernt und mit einem Kugelfang versehen. Sehr witzig ist das Maschinengewehr, das aus der Motorhaube ragt. Jens hat zudem aus altem Holz eine Bretterwand gezimmert, die jetzt am Set aufgebaut wird. Düse und Pepe machen die Stuntfahrer und schließlich rast der Ex-Pontiac durch die Holzwand.

pfeil

Donnerstag, 04.08.2005

Heute morgen drehen wir zum 2. Mal nach Tatort4 in der Pathologie im Krankenhaus Nagold. Zum Einsatz kommen Herr Schwarz, Heckler, Nadja Döring und Mandy. Unser Organisator Wolfgang macht den Pathologen. Ach ja, Wolfgang. Bekanntermaßen hat er ja die Drehpause im letzten Jahr dazu genutzt, einen eigenen Film zu drehen. Ich hatte damit zwar kein Problem, habe jedoch befürchtet, was schon letzte Woche eingetreten ist. Er hat sich mehr oder weniger von diesem Filmprojekt oder von Mania-Pictures verabschiedet. Das wäre sehr schade, da ich im Vorfeld einen Großteil der Organisationsaufgaben, die Wolfgang bisher übernommen hatte, erledigen musste. Das ist gar nicht mein Ding.
Auf jeden Fall war der Dreh heute morgen aufgrund dessen etwas komisch, ging aber problemlos über die Bühne. Nervig war nur die Klimaanlage, die die Tonaufnahmen etwas schwierig gestaltete.
Danach fahren wir nach Calw ins Sammel, weil eine Sammelszene einfach obligatorisch für Mania-Pictures-Filme ist. Wir haben mal wieder mit dem leidigen Statistenproblem zu kämpfen, ganze 3 haben sich herverirrt. Egal, die Dialogszene ist in angemessener Zeit abgedreht, durch den starken Sonneneinfall durch die großen Fenster ergibt sich eine schöne Lichtstimmung.
Gegen 18.30 Uhr gönnen wir uns tatsächlich den Luxus einer kleinen Pause, den ich nutze, um mal wieder meine Kids zu sehen.
Auf die für heute Nacht auf dem Programm stehende Szene freue ich mich zur Abwechslung mal richtig. Wenn die Sequenz nur halbwegs funktioniert, wird sie richtig gut. Drehort: Parkhaus Lederstraße. Eigentlich war das Kauflandparkhaus vorgesehen, aber dort gibt's tatsächlich keine Stromanschlüsse.
Die Szene beinhaltet u.a. eine 3-köpfige Mafiagang, für die wir uns finster dreinblickende Italiener "besorgt" haben. Zwar gibt es leichte Probleme mit den mafiösen Fahrkünsten, aber ansonsten ist deren Auftritt sehr schick. Dolly und Kran kommen ausgiebig zum Einsatz, ab und zu muss einer von uns wie ein Derwisch durchs Parkdeck rennen, um die etwas trägen Bewegungsmelder für das Licht zu aktivieren. Unsere 3 Schlägerjungs, dargestellt von Micha Rau, Jens und Pepe, sehen geil aus.
Der letzte Part des Drehs, die Gerbergeschwister unterhalten sich im Taxi, wird dann aufgrund der fortgeschrittenen Zeit dann doch noch a bisserl anstrengend, aber alles in allem war der heutige Abend sehr erfolgreich.

pfeil

Freitag, 05.08.2005

Heute morgen drehen wir im kleinen Team, will heißen Steffen, Düse und ich. Wir drehen die restlichen Einstellungen der Schlägerszene vom vergangenen Samstag. Der Kran ist inzwischen so kaputt, dass dies die letzte Einstellung für diesen Film mit meinem Lieblingsgerät sein wird. Als wir in der Metzgerei Blum drehen, werden wir unfreiwillig mit Leberkäswecken versorgt. Ich wiederhole eine Einstellung 3 mal, in der Düse einen LKW am Tresen bestellt. Trotz des mehrfachen Hinweises, dass es sich nur um eine Wiederholung handelt, legt die nette Verkäuferin jeweils ein neues Exemplar auf den Tisch. Trifft sich saugut, dass unser Team ganz zufällig 3 Personen umfasst.
Danach drehen wir eine kleine Sequenz in der S-Bahn und fahren dabei mehrfach die Strecke Malmsheim-WdS. Ich mache mir tatsächlich ein schlechtes Gewissen, weil wir bei der ersten Fahrt schwarzgefahren sind.
Nachmittags erwartet uns eine unerwartet schwierige Aufgabe, die sich im Vorfeld eigentlich ganz leicht angehört hatte. 2 Szenen in einer alten, abgewrackten Hinterhofwerkstatt verlangt das Drehbuch. Fündig wurden wir im "Clubheim" des skurrilen Calwer 50ccm-Club. Abgesehen von ein paar "Nackte-Weiber-Postern" brauchen wir nicht viel zu dekorieren. Erinner mich aber bitte beim nächsten Dreh jemand daran, dass wir keine Drehorte neben stark befahrenen Bundesstraßen aussuchen. Die Tonaufnahmen gestalten sich daher etwas schwer. Außerdem erfährt Oli, der seinen Text wirklich gut gelernt zu haben scheint, am Set, dass er schwäbisch und nicht hochdeutsch reden soll. Damit war die Textlernerei fast für die Katz, der Dreh gestaltet sich recht schwierig. Von Arbeitgeberseite erfahre ich bei einem Telefonat, dass sich die Akten während meiner Abwesenheit turmhoch stapeln und fast alles zusammenbricht. Später wird sich zwar zeigen, dass eigentlich gar nix war, aber an diesem Freitagnachmittag reicht das Telefonat, um mir endgültig die Stimmung zu vermiesen.
Für den Abend haben wir den letzten Part des Finales geplant, mit vielen Darstellern und Statisten, die Polizisten, SEK-Beamte usw. spielen sollen. Der Aufwand ist beträchtlich. Rechtzeitig zum geplanten Drehbeginn fängt es an zu schütten. Wir bauen unser Pavillon auf und drängeln uns darunter. 2 Stunden warten wir. Es ist nicht primär die Tatsache, dass jetzt die ganzen Vorbereitungen umsonst waren, sondern dass die ganze Planung irgendwann Wochen nach den eigentlichen Dreharbeiten wieder los gehen. Die ganzen Leute terminlich wieder unter einen Hut zu kriegen, ist die Hölle. 23 Uhr haben wir uns als Deadline gesetzt. Wir brechen ab und schicken alle wieder nach Hause. 20 Minuten später hört es dann auf zu regnen.
Wir drehen noch ne kleine Szene mit den Gerbers, gegen 2 Uhr ist Schluß. Jetzt hat Düse doch noch seinen Willen bekommen. Er wollte mir schon die ganze Zeit einreden, dass die Szene heute Abend spätestens um 1 Uhr zu Ende sein müsse-wegen irgendeiner blöden Party in Stuttgart. Unglaublich.

pfeil

Teil 10: Samstag, 06.08. - Samstag, 15.10.2005

Samstag, 06.08.2005

Nach der Pleite von gestern Abend, die bedeutet, dass wir irgendwann in mehreren Wochen wieder den gesamten Tross an Mensch und Material zusammenbringen müssen, ist die Stimmung heute morgen nur bedingt lustig. Zudem umfasst die Szene, die wir heute und morgen in der Billard-Factory drehen wollen, 7 Drehbuchseiten, was ne ganze Menge ist. Dann steht uns heute kein Beleuchter zur Verfügung, wie überhaupt die Crew heute morgen ziemlich geschrumpft ist. Dementsprechend sieht das Licht dann auch Scheiße aus, besonders vor dem Hintergrund, dass am Folgetag dann wieder Matthias für eine schöne Beleuchtung sorgt. Ich befürchte, dass man den krassen Unterschied innerhalb der Szene bemerken wird.
Die Billard-Factory ist mit großflächigen Fenstern ausgestattet, die wir - um Nacht zu simulieren - mit einer Riesenrolle Teichfolie abkleben. Protagonisten sind heute Saskia und Nicole Kunzmann sowie die Schlägertruppe um Ralf Schwarz alias Flo Schempp. Ursprünglich sollte der riesige Raum mit mindestens 20 Statisten bevölkert werden, heute sind es ganze 2 (!) "Extras", mit denen wir eine belebte Lokalität simulieren sollen. Na denn Prost. Schnickschnack wie Kran - obwohl in mehreren Einstellungen geplant - schminke ich mir heute morgen ob des engen Zeitplans ab. Aufs Dolly mag ich dann aber doch nicht verzichten.
Als ich diese Zeilen schreibe, ist der Dreh schon fast 2 Monate vorbei und die Erinnerungen sind (glücklicherweise) nicht mehr im Detail präsent. Irgendwie haben wir unser Tagespensum wohl geschafft. Beinahe jedenfalls. Die letzten beiden Stunden finden dann jedoch unter Publikumsverkehr statt, was die Sache nicht unbedingt erleichtert.
Gegen 17 Uhr ziehen wir nach Calw Downtown um. Eine Szene im "Carpe Diem" steht an (die wir eigentlich schon am 2. Drehtag "schießen" wollten. Der Dreh ist recht gemütlich, Darstellerin Mona (mit der wir zuletzt in "Bodycount" anno 1998 zusammengearbeitet haben) hat sich offensichtlich etwas Mut angetrunken. Flo Schempp als Schläger bietet eine gute Performance. Danach gehen wir richtig "nobel" im Rössle Essen (wobei "nobel" heißt, dass es mehr ist als ein Big Mac oder ein belegtes Brötchen). Wir beschließen, noch eine kleine Szene mit Frieder und Saskia im Hause Schnürle zu drehen, meine Frau ist ob des spontanen Entschlusses erwartungsgemäß voll begeistert. Beleuchtung, Kameraführung und Regie (also quasi alles) überlasse ich Matthias, wobei ich ihm bei der Materialsichtung eine strenge Rüge erteilen muss. Schwenkt der Kerl doch grad, als die beiden Darsteller im Bett anfangen zu fummeln, mit der Kamera zur Seite. Da muss er doch noch einiges lernen :-)

pfeil

Sonntag, 07.08.2005

Sonntag morgen. Wir drehen den "Rest" der Billard-Factory-Szene. Heute steht vor allem eine Schlägerei auf dem Plan, was etwas aufregender ist, als die reinen Dialoggeschichten vom Vortag. Heute sind es doch noch ein paar Statisten mehr geworden. Wir bringen die Szene halbwegs pünktlich (will heißen, wir haben weniger als 2 Stunden überzogen) zu Ende, die letzte Szene des Hauptdrehs steht nun an. Wir ziehen (vorläufig) ein letztes Mal ins Haus Reichert um. Ich beschließe - nachdem wir die ersten Einstellungen schon gedreht haben - noch mal von vorne anzufangen, weil inzwischen durch einfallendes Sonnenlicht eine wunderschöne Lichtstimmung herrscht. Dies wird später, als die Sonne dann langsam schwindet, beinahe zum Verhängnis. Die letzten Einstellungen werden bereits bei einsetzender Dunkelheit gedreht, bin mal gespannt, wie das zusammenpasst.
Die Luft ist inzwischen eindeutig raus, die Strapazen und zwischenmenschlichen Disharmonien der 2. Drehwoche schlagen mir heftig aufs Gemüt. Wenn ich bedenke, dass für heute Abend eigentlich mal ein Drehabschlussfest geplant war. Wir entladen noch das Equipment in der Halle und bereiten den Lieferwagen für die morgige Rückgabe vor.
Eine sehr abgespeckte Abschlussparty findet dann noch als Umdrunk im Cafe Wendland statt. Über den Inhalt der Gespräche kann ich nicht wirklich viel berichten, da ich lt. mehreren Fotos, die mir Jens später zeigt, das meiste offensichtlich verschlafen habe.
Ein heftiger Dreh, für mich der wohl schlimmste seit Bodycount 1998, liegt hinter uns. Glücklicherweise haben sich meine damaligen Gefühlsregungen längst wieder gelegt, ich erinnere mich nur noch dunkel an den gigantischen Frust, der mich "damals" gepackt hatte. Verdrängung ist eine wunderbare Eigenschaft des menschlichen Wesens. Nächstes Mal muss alles anders werden - aber hab ich den Spruch nicht schon mal gehört?
Vielleicht ist das einfach auch der Preis, den man zahlen muss...für das schönste Hobby der Welt.

pfeil

Donnerstag, 01.09.2005

Nun ist fast ein Monat vergangen, seitdem die letzte Klappe des Hauptdrehs gefallen ist. Inzwischen habe ich nahezu 40 Stunden gefilmtes Material gesichtet und katalogisiert, dazu noch 18 Stunden Making-Of-Material. Die Eindrücke sind wie immer zwiespältig. Zum Einen sind wieder sehr schöne Bilder dabei, andererseits sehe ich aber natürlich auch die vielen "Kompromisse" zwischen "Vision" und Ergebnis. In der Vergangenheit war ich diesbezüglich aber immer viel zu selbstkritisch und so bin ich bedingt zuversichtlich, dass auch dieses Mal alles hinhauen wird. Das erste Zeitziel (Materialsichtung) auf dem Weg zum geplanten Premierentermin 06. April 2006 wurde erreicht.
Für den morgigen Tag habe ich nach vielen Telefonaten und e-mails eine Terminplanung für den Nachdreh hinbekommen. Ich habe tatsächlich einen Tag gefunden, an dem alle Beteiligten zeit haben...alle? Nein, Eberhard ist verhindert, also muss ich sehr widerwillig den Dreh in zwei Teile zerlegen und seine Einstellungen einen Tag früher drehen. Das ist insofern schwierig, da er zum Teil eigentlich mit den anderen Darstellern zusammen im Bild sein sollte. Ich muss die Szene genau auflösen, damit nachher alles passt.
Highlight des Abends ist Oli, dessen Gesicht und Hände lt. Drehbuch verkohlt sein müssen. Dazu habe ich (einem Tage zuvor erschienenen Zeitungsartikel sei Dank) einige Schminkprofis des DRK engagiert, die unseren Automechaniker "Thilo" in ein Schnitzel verwandeln. Auch nett ist der gefakete Helikoptersuchscheinwerfer, den wir mittels eines 2kW-Strahlers aus ganzen 2 ½ Metern Höhe simulieren. Wir drehen bis ca. 2 Uhr nachts und spätestens jetzt bin ich Eberhard doch ganz dankbar, dass er mich gezwungen hat, die Sache aufzuteilen. Das gesamte Pensum hätten wir nie im Leben an einem Abend geschafft.

pfeil

Freitag, 02.09.2005

Neben Frieder, der schon früher aus Köln ankam und beim gestrigen Dreh dabei war, sind heute auch die übrigen Gerbergeschwister am Start. Weiterhin (wieder) ca. 15 Polizei- und SEK-Statisten sowie nahezu die gesamte Filmcrew. Dolly, Kran und sonstiges habe ich mir heute von vorneherein abgeschminkt, ich drehe heute ausschließlich mit Handkamera. Bis die ganzen Autos klargemacht sind, alle Statisten eingekleidet, bewaffnet und am Set eingewiesen sind, dauert seine Zeit.
Das Wetter hält glücklicherweise nicht nur, sondern die Temperaturen sind jetzt sogar um mindestens 5-8 Grad wärmer als im "Sommer". Damals wäre ein Nachtdreh in kurzer Hose und T-Shirt niemals denkbar gewesen. Es dauert zwar, aber wir schaffen unser Pensum bis auf einige kleine Einstellungen. Gegen 4 Uhr ist Drehschluss.

pfeil

Samstag, 03.09.2005

Da die Dauer des gestrigen Drehs abzusehen war, ist heute erst am Frühnachmittag Drehbeginn. Etwas sehr lästiges war für mich im Vorfeld auch die Tatsache, dass Teile der Szene 49 "Massenkarambolage" nachzudrehen sind. So muss der halbverschrottete Corsa nochmals auf die Marktbrücke geschafft werden, dafür muss die Straße teilweise gesperrt werden. 2 nette Polizisten werden dafür abgestellt. Aber die Aufregung ist größtenteils umsonst, alles klappt ganz gut. Mittels unseres abenteuerlichen Aufbaus befestigen wir die Kamera mal wieder auf der Motorhaube. Ein Highlight ist die Sequenz, in der Kalle alias Düse ob der ruckligen Fahrkünste Walters über den Schaltknüppel kotzt.
Da der Crash zwischen Opel Corsa und Taxi beim Hauptdreh mit der wahnsinnig gefährlichen Geschwindigkeit von schätzungsweise 7 km/h ausgeführt wurde, war es notwendig, diesen Part nochmals zu drehen. Da wir jedoch nicht wussten, ob das Taxi nach einem "richtigen" Crash noch fahrtauglich sein würde, wurde diese Einstellung an den Schluss gestellt. Aus Sicherheitsgründen verlegen wir den Crash auf den Parkplatz unserer Lagerhalle. Als Stuntdriver bietet sich Jens an und macht seine Sache wirklich gut.
Nun wird's sogar - sehr ungewöhnlich für Dreharbeiten - richtig gemütlich. Auf dem Programm steht eine nächtliche Lagerfeuersequenz in Speßhardt, wir erinnern uns, an diesem Schauplatz (Stichwort: zerfallene Hütte) hatten wir schon während des Hauptdrehs eine Szene gedreht. Wir haben uns mittags noch mit ordentlich Würstchen und Fleisch versorgt und nutzen das Requisitenlagerfeuer im Anschluss an die nahezu in Rekordzeit abgedrehte Szene als Grill.
Gegen Mitternacht noch kurz an den Weinsteg nach Calw und eine einzelne Einstellung gedreht, danach Ausklang im Sammel.

pfeil

Sonntag, 04.09.2005

Heute nur "Kleinkruscht". Zuerst drehen Frieder und ich noch zwei Einstellungen der schon im Mai begonnenen Regen/Explosionsszene im Hause Schnürle. Nachdem wir fertig sind, bemerken wir dann, dass Frieder gar nicht geschminkt war. Also noch mal von vorne.
Danach fahren wir nach Dätzingen und nutzen das Schloss als Außenkulisse für das Anwesen unseres Filmbösewichts Schwarz. Lucia ist heute nicht am Start, weshalb wir ihre Einstellungen dann später noch nachdrehen müssen.
Nach der Einstellung vor der Calwer Feuerwehrwache hat Frieder dann Drehschluß, es geht jedoch nahtlos weiter mit einer Einstellung mit Walter. Hierfür müssen wir das Taxi von der Halle ca. 300 m weiter ans Untere Ledereck fahren, haben jedoch keine rote Nummer. Also illegal. Kein Problem, denken wir. Als wir beim Drehen sind (das Taxi steht einfach nur so da), fährt ein Polizeiauto auf den Platz. Ich schaue ganz unauffällig durch die Kamera und tue so, als ob ich sie gar nicht bemerke, aber im Augenwinkel (links, haha) sehe ich, dass der Cop sich im Anfahren schon abschnallt. Grande malheur. Mit extrem finsteren Blick steigt er aus und stellt uns zur Rede. Irgendwann weicht der fiese Blick dann: "Ach so, ihr seids". Man stelle sich ein gepflegtes "Puuuh" von Securitymann "Hot" vor.
Danach Feierabend und ab ins Freibad.

pfeil

Dienstag, 06.09.2005

Eigentlich kaum erwähnenswert, aber für eine einzige Einstellung muss ich nach Stuttgart an den Flughafen fahren, um ein startendes Flugzeug zu filmen. Und das bei den Spritkosten. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Einstellung bei Dämmerung gedreht werden muss, ich aber keine Ahnung habe, von welcher Stelle aus man Einsicht auf die Startbahn hat. Ich fahre auf gut Glück los und finde tatsächlich einen Zugang. Auf dem Weg dorthin filme ich noch einen wunderschönen Sonnenuntergang, den ich sicherlich auch noch irgendwo einbauen kann.
Aufgrund des Zauns vor der Startbahn ist die Sicht eh nicht so doll, aber das wird noch getoppt von der Tatsache, dass im Dämmerungszeitfenster zwar mindest 100 (Achtung: Übertreibung) landen, jedoch nur 2 starten.

pfeil

Donnerstag, 08.09.2005

Um 17 Uhr hole ich Lucia von der S-Bahn in WdS ab. Wir holen die fehlende Einstellung der Szene "Dätzingen" nach, allerdings nicht in Dätzingen, sondern... ja wo eigentlich. Völlig planlos fahren wir in der Gegend herum und suchen ein Fleckchen, an dem wir die Einstellung drehen können. Als wir in Hirsau schließlich fündig werden, merke ich, dass ich den Akku für die Kamera vergessen habe. Wir fahren nach Hause und drehen den Take schließlich irgendwo in Altburg in der Pampa.
Nach Einbruch der Dunkelheit drehen wir Lucias Part für den Showdown am inzwischen wohlbekannten Schauplatz "Alber-Betriebsgelände".
Gegen 21.30 Uhr verziehen wir uns dann in die Halle, Lucia verabschiedet sich. Wir wollen nun noch die Einschüsse ins Taxi tricksen, ebenfalls Teil des Showdowns. Bereits im Vorfeld der Dreharbeiten hatte ich mich bei "echten" F/X-Firmen nach den Kosten für eine professionelle Durchführung erkundigt. Unbezahlbar, daher haben wir viel Geld ausgegeben, um uns eigenes Equipment zu kaufen. Einen Zündpult sowie diverse Variationen von Einschlagzündern. Steffen kümmert sich um die Elektrik und bereitet die Zünder vor. Die Einschüsse der Scheiben tricksen wir auf verschiedene Arten. Zuerst benutzen wir einen altbewährten "Starenschreck", einen derart gewalttätigen Kracher (in Deutschland verboten), der die Seitenscheibe problemlos zerfetzt. Leider war das unser letztes Exemplar. Danach versuchen wirs mit ner Zwille und kleinen Stahlkugeln, doch die Einschusslöcher sind zu klein. Dann werfen wir einfach Batterien durch die angeknackste Scheibe. Zuguterletzt nehmen wir wieder die wohlbekannten Chinaböller. Nicht schlecht, aber auch nicht berauschend. Inzwischen hat Steffen die Bullet-Hits klargemacht, die dann auch richtig gut aussehen. Die Investition hat sich gelohnt, zumindest wenn wir sie in den nächsten Filmen (!!) wieder einsetzen werden. Also wird's doch wieder kein Dialogdrama.

pfeil

Dienstag, 26.09.2005

Heute nur Minidreh. Ich schneide gerade den Showdown des Films. Dabei habe ich festgestellt, dass mir 2 Einstellungen von Jungs des Killerkommandos fehlen. Beim Hauptdreh wurden die beiden vermummten Sniper von Oli und Pepe gedoubelt, die aber eigentlich ja auch eigene Rollen im Film haben. Heute Abend werden die Doubles von Alex gedoubelt, der gleich beide Sniper verkörpert. Ich beeile mich, denn um 21.15 Uhr beginnt ja "Desperate Housewives".

pfeil

Donnerstag, 29.09.2005

Heute Abend ist Nachvertonung angesagt. Die Showdownszene ist im Rohschnitt fertig gestellt, aber aufgrund des oftmals unbrauchbaren Originaltons müssen diverse Sätze und Geräusche nachvertont werden, u.a. solch kuriosen Dinge wie das Umarmen zweier Personen, oder das Geräusch eines Fallrückziehers mit einer Rauchgranate.

pfeil

Freitag, 30.09.2005

Wir drehen im Rössle. Eine Szene, in der Mona alias Cathrin von Ralf und seinen Schlägerjungs vermöbelt wird. Zwar haben weder Markus Kiefer noch Flo Schempp und Michael Rau Zeit, allerdings stehe ich unter Zeitdruck, weil Cathrin in der kommenden Woche ihre Frisur grundlegend ändern will. Deshalb müssen alle Einstellungen mit ihr noch schnell gedreht werden. Um den Überblick nicht zu verlieren, male ich für diese Szene ein kleines Storyboard.

pfeil

Donnerstag, 06.10.2005

Heute Abend ist Flo Schempp noch mal mit seinen Schlägerjungs am Start. Im Rössle drehen wir zuerst Teil 2 der schon begonnenen Szene, dieses mal mit Flo und Michael Rau.
Danach das letzte Mal ins Haus Reichert, wo Walter Gerber von den Schlägern vermöbelt wird.
In unserer Halle gibt's noch zwei Inserts vom toten Ralf, danach fahre ich ihn nach Weil der Stadt zur S-Bahn, die aber leider schon abgefahren ist. Also mal wieder Taxi nach Stuttgart spielen.

pfeil

Freitag, 14.10.2005

Der letzte "offizielle" Drehtag. Für einen Flashback im Film müssen wir nen kleinen Überfall inszenieren. Gedreht wird beim Juwelier Kühling, kurz der Polizei Bescheid gesagt und los geht's. Dreh verläuft gemütlich, danach noch kurz ins Rössle, wo wir eine kleine Szene fertig stellen, für die wir nun insgesamt 3 Abende gebraucht haben, weil nie alle Darsteller gleichzeitig anwesend waren.

pfeil

Samstag, 15.10.2005

9 Uhr. Halle aufräumen ist angesagt. Nach den diversen Nachdrehs siehts in unserem Lager aus wie Sau. Müll auf die Deponie fahren, Waffen verpacken, Klamotten aufräumen, Requisiten reinigen usw.
Danach bereiten wir das Foto-Shooting für unser Filmplakat vor. Die Gerber-Darsteller treffen ein und werden ein letztes mal geschminkt. Im "Finale-Outfit", blutig geschminkt und martialisch mit Waffen bestückt, geben die Vier ein schickes Bild ab.
20 Uhr. Das lang ersehnte Drehabschlussfest im Sportheim Stammheim beginnt. Ca. 25 Darsteller, Crewmitglieder und Statisten haben sich versammelt, um das offizielle Ende der Strapazen zu feiern und gleichzeitig einen ersten Blick auf das Geschaffene zu werfen. Im Gedenken an den Hauptdreh kam zum Essen eigentlich nur eins in Frage: Grillen.
Doch zuvor gabs das erste Highlight zu bewundern: neben seinen "Negerqualitäten" hat Frieder auch sonst einiges zu bieten. Er hat es doch tatsächlich zur Primetime, Samstagabend ins ARD geschafft. In der Lotto-zig-Millionen-Show tritt UNSER Frieder als Backgroundsänger von - haltet euch fest - SIR Cliff Richard auf. Hammer, oder? Wir geben alles und feuern unsern Frieder jedes mal, wenn er ins Bild kommt, schreiend an.
Wie kann man das noch toppen? Als Dessert nach dem Grillfleisch gibt's auf jeden Fall mal den ersten Trailer und ein 10-minütiges Making-Of zu sehen, das ich in den letzten beiden Wochen zusammengeschnitten habe. Danach wird gegessen, getrunken, getanzt und gelabert. Kurz vor 12 (5 vor 12) gibt's dann als (filmischen) Höhepunkt ein weiteres, kleines Filmchen, das doch einiges Amusement unter dem Publikum hervorruft. Da es sich um Betriebsinternas handelt, wird dieses Kunstwerk leider nie veröffentlicht werden können.
Wir schauen uns dann noch alte Making-Of-Aufnahmen aus längst vergangenen Zeit an, danach unterhält uns Markus dann noch mit dämlichen, aber höchst amüsanten "Denksportaufgaben" (Das ist die Basis).

Zwar müssen noch einige Inserteinstellungen gedreht werden, aber im Wesentlichen wars das für "5 vor 12" - zumindest was die Dreharbeiten angeht... und das Drehtagebuch. Bis zum nächsten Mal.

pfeil